You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ich berichte hier einige Beobachtungen, die ich durch einundeinhalb Jahre an Herbert in der Montessorivolksschule machen konnte. Ich beschränke mich darauf, das Verhalten Herberts und die Fragen, die daraus für die Schule entstanden, zu schildern.
Als er in die Schule eintrat, besuchten 17 Kinder seine Klasse, davon waren 14 im ersten, 5 im zweiten Schuljahr. Da es an unserer Schule keinen Kollektivunterricht und keinen Stundenplan gibt, sondern jedes Kind für sich arbeitet und nach eigenem Ermessen Art und Dauer der Arbeit bestimmt, konnten wir versuchen, den Jungen, der in seinem Äußeren, seinem Benehmen und seinen Kenntnissen durchaus aus den Rahmen eines Schulanfängers fiel, in einer Klasse gesunder Kinder zu führen.
Einige pädagogische Fragen ergaben sich gleich nach seinem Schuleintritt:
Kann man mit unserem Grundsatz, alles zu erlauben, was nicht dem Kind oder seinen Kameraden schadet, bei Herbert auskommen?
Ist seine Beziehung zu Menschen in der Schule zu entwickeln?
Kann man seine Beziehungslosigkeit zur Realität beeinflußen?
Sind die Erziehungsmaßnahmen, die in der Klasse richtig erscheinen, für Herbert überhaupt geeignet?
Herbert unterschied sich schon äußerlich von anderen Kindern vor allem dadurch, daß er nicht wie ein Kind aussah. Er hatte etwas Zwergen- und Greisenhaftes in seinem Ausdruck und wirkte im ersten Augenblick fast unheimlich.
Die größten Schwierigkeiten waren am Anfang, bis sich sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen an seine Art gewöhnt hatten. Seine unkoordinierten, gestörten Bewegungen hinderten ihn daran, ordentlich zu sitzen, er fiel öfters vom Sessel. Beim Gehen machte er übergroße Schritte, wenn er etwas zerbrechliches trug, fürchtete man immer, er könnte es fallen lassen, da er nie die Dinge ansah, sondern darüber hinwegschaute. Trotzdem versuchten wir, ihn alles ebenso weitgehend selbständig machen zu lassen, wie die anderen Kinder. Das stieß bald auf Schwierigkeiten. Das An- und Ausziehen der Überkleider konnte er nicht ohne Hilfe au