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Ein Buch aus der Berliner Fürsorgearbeit mit Akten und Zahlen. Die Akten lesen sich wie ein Drama, die Zahlen wirken wie ein Menetekel.
Selbst der Fürsorger und Sozialpädagoge, der die Verhältnisse kennt, gewinnt auf Grund der plastisch und temperamentvoll geschilderten Schicksale aus städtischen und ländlichen Verhältnissen neue Einblicke. Gut zusammengestelltes medizinisches Material aus Enqueten über Wohn- und Schlafverhältnisse, über den Gesundheitsund Ernährungszustand, stempeln die geschilderten Einzelschicksale zum typischen Massenschicksal.
Für den psychoanalytischen Pädagogen und Arzt enthält die Kinderfibel auch Wissenswertes. Die Tatsache, daß Fehlentwicklungen ohne neurotische Mechanismen entstehen können, nur aus der Zugehörigkeit zur proletarischen Klasse, ist zwar bekannt und von Bernfeld in „Der soziale Ort”, „Die Tantalussituation”, und von Aichhorn „Verwahrloste Jugend” gewürdigt worden. Es ist ein Verdienst des Buches, auf Grund eines selten reichhaltigen Materials fürsorgerischer und sozialmedizinischer Art den Nachweis erbracht zu haben, daß die ersten Ursachen dieser Verwahrlosung in der frühesten Kindheit zu suchen sind. Es wird gezeigt, wie aus Milieuschäden (Arbeitslosigkeit, Unterernährung, Wohnungsnot, sexuellen Träumen ungewollte Schwangerschaften, Ifizierungen usw.) zwangsläufig Verwahrlosung und Dissozialität entstehen muß. Die Wucht der geschilderten Tatsachen, die nicht jedem Psychoanalytiker durch seine Praxis zugänglich sind, muß dazu führen, stärker als bisher die sozialen Bedingungen seelischer Vorgänge zu berücksichtigen.
Andererseits würden wir bei den Verfassern nicht nur die Beachtung der sozialen Abhängigkeit, sondern auch eine stärkere psychologische und tiefenpsychologische Erfassung der Tatbestände für notwendig gehalten haben. Bei Anwendung psychoanalytischer Erkenntnisse (z. B. bei häuslichen Konflikten, Diebstählen, Berufs- und Eheberatung) hätten sich oft für die Fürsorge andere Maßnahmen ergeben und vielleicht manches Sc