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Meine Damen und Herren!
Wir stehen heute vor einer Neugründung des Lehrausschusses der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung Ich nehme an, daß sie über ein Erziehungsberatungs-Seminar (E. B. S.) nicht sehr bestimmte Vorstellungen haben, daß Sie aber mit regem Interesse gekommen sind und ehestens mit einer im Dienste der Jugendfürsorge stehenden Arbeit beginnen möchten.
Vor allem erwarten Sie gewiß, daß ich Ihnen — zumindest in großen Umrissen — die Ziele zeige, die uns bei Gründung des Seminars vorschwebten und annähernd die Wege beschreibe, die uns diesem Ziele näherbringen sollen. Eine gedeihliche Arbeit wird aber auch dann möglich, wenn ich Sie darüber im Unklaren lasse. Unsere Arbeit im E. B. S. trägt alle Entwicklungsbedingungen in sich, und hat soviele Entwicklungsmöglichkeiten, daß wir eine Zielsetzung entbehren können; denn wo immer wir beginnen und wie immer unsere Arbeit verläuft, sie muß zu einem Ziele führen. Da ich auf einigen Wegen schon einige Schritte weit sehe, schlage ich Ihnen vor, sich gemeinsam mit mir in diese Richtungen vorzuwagen.
Fassen wir das E. B. S. als ein neues Gebilde auf, so wissen wir von dessen Wesen und Eigenart noch nichts. Wir wissen aber doch so viel, daß es seine Entstehung einem fühlbar gewordenen Bedürfnis verdankt und daß dieses fühlbar gewordene Bedürfnis vor allem der Notwendigkeit entspringt: Über die eigene Einstellung zur Arbeit in der Erziehungsberatung Klarheit zu bekommen. Wir haben daher zuerst uns selbst kennen zu lernen, uns dann klar zu machen, was wir für die Arbeit in der Erziehungsberatung an Wissen und Können mitbringen und haben endlich festzustellen, ob wir der Arbeit in der Erziehungsberatung gewachsen sind.
Ferner wissen wir alle, wie verschieden die einzelnen Menschen ihr erlerntes Wissen zu verwenden verstehen. Der eine wuchert mit einem verhältnismäßig kleinen Pfund und arbeitet sich selbst zur Freude und anderen zum Gewinn. Der andere erstickt unter den Bergen seines gewissenhaft