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Der heilpädagogisch tätige Arzt oder Psychologe muß Einfühlung in des Kindes seelisches Wesen haben und über ein klar geordnetes, naturwissenschaftlich gesichertes Wissen der psychiatrischen und psychologischen Zusammenhänge und Tatsachen verfügen. Einfühlung in den heranwachsenden Menschen ist ohne psychoanalytisches Wissen schwierig, oft unmöglich; bestimmte Situationen im Leben aller Menschen werden erst durch die Psychoanalyse unserem Verständnis näher gebracht. Hier kann nur allgemein über die Beziehungen der Psychoanalyse zur Kinderforschung, zur Pädagogik und zur Heilpädagogik gesprochen werden. Wer die Entwicklung und die Tiefe der Gebiete kennen lernen will, wendet sich zweckmäßig an die Originalquellen2.
Es wird allmählich üblich, daß gleich den Ärzten, die ihre Patienten der Psychoanalyse zu unterziehen gedenken, auch Psychologen und Pädagogen zuerst die eigene Analyse durchmachen, vor allem dann, wenn sie sich mit Psychoanalyse eingehend zu beschäftigen gedenken. Auch Aichhorn betont, daß dieser Weg das Verständnis für die seelischen Probleme in einem Maß vertieft und erweitert wie keine andere Methode zuvor.
Was hat die Psychoanalye für die Heilpädagogik geleistet? Sie hat unser Verständnis und unsere Kenntnis der verschiedenen Arten von Fehlentwicklung vermehrt; sie läßt uns viele Fehlanlagen als quantitative Steigerung auch sonstiger normaler Teilanlagen richtig einordnen und läßt dadurch schon prognostisch das erreichbare und dem einzelnen Menschen eigene Erziehungsziel eher abstecken, Sich einem allgemeinen und gleichen Ziel für alle Heilfälle annähern zu wollen, scheint nicht möglich; das Ziel der Anlage nach abzustecken, erspart manche Sisyphusarbeit der Erziehung. Die bisherige Erziehung hat nur zu oft versucht, umso mehr eine Einordnung erzwingen zu wollen, je weniger die Anlage dazu vorhanden war. Den z. B. konstitutionellen Trotz zu brechen, ist oft psychoanalytisch indiziert. Solche erzieherische Entsagung gestattet meist, wenn eine latente nor