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Die folgende Arbeit von Lindner über das Wonnesaugen ist ein Neudruck einer im Jahre 1879 erschienenen Arbeit, die Prof. Dr. Sigm. Freud in den „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie” (1905) wie folgt erwähnt: „Die Äßerungen der infantilen Sexualität. Aus später zu ersehenden Motiven wollen wir unter den infantilen Sexualäußerungen das Ludeln (Wonnesaugen) zum Muster nehmen, dem der ungarische Kinderarzt Lind ner eine ausgezeichnete Studie gewidmet hat (Jahrbuch für Kinderheilkunde 1879).”
Maxima debetur puero reverentia, si quid Turpe paras; nec tu pueri contempseris annos.
Meine Herren! Das Saugen an den Fingern, Lippen usw. bei den Kindern ist eine Eigentümlichkeit, welche, obzwar längst bekannt, dennoch bisher die Aufmerksamkeit der Ärzte höchstens insofern auf sich lenkte, als manche diese so sehr verbreitete Erscheinung unter den üblen Angewöhnungen der Kinder erwähnen. Einer eingehenden (Wissenschaftlichen Würdigung wurde das Wonnesaugen — wenn man es so benennen darf — meines Wissens noch nicht unterzogen2). Umsomehr scheint es wohl gerechtfertigt, hierüber einige Beobachtungen und die aus denselben abgeleiteten Folgerungen mitzuteilen.
In Ermangelung einer jeden wissenschaftlichen Vorarbeit, welche als Grundlage hätte benützt werden können, mußte ein eigenes System aufgestellt werden, das sich allerdings ungezwungen aus der Natur der Sache ergab.
Ludeln3), bezeichnender: Wonnesaugen (suctus voluptabilis) im engern Sinne des Wortes heißt: entweder bei leerem Munde, oder an in den Mund gebrachten Körpern gemächlich saugen. Diese Körper sind bald mit dem Individuum organisch zusammenhängende Teile,