You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im Wintersemester 1933/1934 hielt Dr. Heinrich Meng an der Volkshochschule der Universität Basel 18 Vorlesungen* über „Zwang und Freiheit in der Erziehung”.
Es wurde der Versuch gemacht, Eltern, Berufserziehern und Lehrern eine Anregung zu geben, ihre eigenen erzieherischen Denk- und Verhaltungsweisen kritisch zu überprüfen. Der Kurs war folgendermaßen aufgebaut: Um Mißverständnisse möglichst zu vermeiden oder rasch zu klären, wurde jeder Begriff erläutert, wissenschaftliche Ausdrücke nur ausnahmsweise verwendet. Durch Fragebeantwortung am Schlusse einiger Stunden wurde die gegenseitige Fühlungnahme zwischen Hörern und Vortragenden hergestellt und beiden die Sicherheit des jeweils erreichten Verständnisses verschafft. Am „Scheindenken” und „Scheinwissen” konnte gezeigt werden, daß die Gewohnheit vieler Menschen, übliche Worte und Begriffe ohne eigentliches Verstehen zu handhaben, ein Feind der gründlichen naturwissenschaftlichen Bildung und Weiterbildung ist. Erziehungsfragen sind Alltagsfragen, das heißt sie gehen jeden Menschen an, ob wir Kinder oder Erwachsene sind, wir stehen immer in einem Erziehungsprozeß. Wenn auch der Erziehungswissenschaftler sich Kenntnisse aus vielen Wissenschaftszweigen aneignen muß, so entscheiden doch in der praktischen Erziehung nicht die Kenntnisse an erlerntem Wissen, sondern allgemeiner und persönlicher Instinkt, Takt, Einfühlung und Selbstbeherrschung.
In dem Teil der Vorlesung, der sich mit Biologischem befaßte, wurde gezeigt, daß die Vererbung bei jedermann ein Stück Freiheit der Entwicklung zuläßt und daß die Freiheit der Entfaltung zu einem sinnvollen Instrument des Mensehwerdens wird, wenn der Erzieher nicht willkürlich und launisch, sondern wollend und wissend in den Erziehungsprozeß eingreift. Die Beziehungen von Vererbung und Erziehung fanden besonders starke Aufmerksamkeit, ferner die Frage der Temperamente und der Ergebnisse der Gehirnforschung für die Psychologie.
Im Hauptteil, der der Wissenschaft von der Seele und der Pä