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Obwohl die Enuresis der Kinder ein verbreitetes Symptom darstellt, gegen welches sowohl die Erzieher als auch die Kinder selbst einen heftigen Kampf führen, gelangen Kinder gerade dieses Symptoms wegen relativ selten in analytische Behandlung. Man verläßt sich darauf, daß das Symptom des Einnässens irgendwann durch irgendeine Maßnahme schwinde, oft genug auch mit der Zeit ohne irgendeinen Eingriff von außen. Übersehen wird bei dieser Einstellung zur Enuresis, welche schwerwiegenden Folgen gerade dieses Symptom für die spätere Sexual- und Charakterentwicklung zu hüben pflegt. Aus den Erwachsenenanalysen wissen wir, daß die Ejaculatio praecox häufig auf der kindlichen Enuresis aufgebaut ist. Menschen, die als Kinder an Enuresis litten, werden die damals erworbenen Minderwertigkeitsgefühle schwer los. Menschenscheu, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, starke Passivität, aber auch ganz andere Haltungen und Eigenschaften, z. B. unstillbarer Rededrang, Verlogenheit, sind häufig Überreste einer zwar aufgegebenen, aber in ihren Quellen nicht erledigten Enuresis.
Am geläufigsten ist uns die Auffassung, die Enuresis sei ein Onanieäquivalent, welches häufig nach Unterdrückung der Onanie auftauche.1) Wie in der Onanie die verschiedensten Sexualwünsche ihre Abfuhr finden, so geschieht dies auch bei der Enuresis. In der Identifizierung mit dem jüngeren neugeborenen Geschwister beginnt häufig das ältere Kind einzunässen und sagt damit, daß es von der Mutter ebenso geliebt und gepflegt sein wolle wie das Baby. Bei beiden Geschlechtern spielt der Trotz gegen die Reinlichkeitserziehung und die Auflehnung gegen die vermeintlich von der Mutter verschuldete Beschaffenheit des Genitales eine Rolle. Die frühkindliche Sexualtheorie, nach der ein Koitus irgendwie mit dem Urinieren zusammenhängt, findet oft Ausdruck in der Enuresis.
Der kleine Knabe verrät manchmal durch dieses Symptom seine passiv-femininen Wünsche. Er dirigiert nicht seinen Urinstrahl, sondern läßt ihn ziellos fließen und erl