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Poldi kam mit zehn Jahren zu mir in Behandlung. Er war für sein Alter groß und sehr kräftig, gut proportioniert, ohne besonderen Fettpolster oder sonstige Auffälligkeiten. Sein Gesicht zeigte ein tickartiges Zucken, ein Zwinkern, Rümpfen der Nase, Zucken des Mundes, das sich in Momenten der Erregung bis zum Grimmassieren steigerte. In solchen Augenblicken kam noch etwas hinzu: er trippelte ununterbrochen auf den Zehenspitzen von einem Fuß auf den andern, gleichzeitig schloß und öffnete er die Hände krampfartig, indem er beide Arme einmal vorne, dann wieder hinter dem Rücken zusammenbrachte. Dieser Zustand konnte durch jede unbedeutende Erregung ausgelöst werden, so daß Poldi sich eigentlich in ständiger motorischer Unruhe befand.
Zu diesem ohnedies außergewöhnlichen Zustand kamen noch andere Symptome hinzu, die die Eltern dazu veranlaßten, immer wieder Hilfe bei den Ärzten zu suchen: Poldi war von ständiger Angst gequält, die es ihm unmöglich machte auch nur für kurze Zeit allein zu bleiben. Dies war für die Mutter, eine Proletarierin, äußerst störend. Auch war er nicht imstande, sich irgendwie zu beschäftigen, weder allein, noch mit jemand anderem. Er onanierte in exzessiv-exhibitionistischer Weise und war deshalb schon aus Kindergarten und Schulen ausgeschlossen worden.
Er war manuell besonders ungeschickt, auch seine Ausdrucksweise und sein Wortschatz entsprachen keineswegs seinem Alter. Besondere Schwierigkeiten hatte er im Rechnen; er konnte nur mit Hilfe der Finger addieren und subtrahieren und auch dies nur mangelhaft; das mechanische Multiplizieren fiel ihm leichter, jede Art von Textrechnung war ihm unmöglich.
Poldi wurde einer gründlichen organischen und neurologischen Untersuchung unterzogen. Der Eindruck, daß es sich um eine Erkrankung auf organischer Grundlage handle, ließ sich weder eindeutig bestätigen, noch ausschließen. Das Kinderspital, in das er mit sechs Jahren sechs Wochen zur Untersuchung auf genommen war, schloß in dem Gutachten einen cerebralen