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Von Dr. Heinrich Meng erscheint soeben ein Buch: „Strajen und Erziehen”. aus welchen wir — mit Genehmigung des Verlages Hans Huber, Bern — das 3. Kapitel zum Abdruck bringen. Mit dieser Schrift wird die Reihe „Bücher des Werdenden, Herausgegtben von Paul Federn und Heinrich Meng” fortgesetzt.
Wag ist Strafe? — Die Entwicklung des kindlichen Ichs und des Gewissens. — Bestraft werden und Selhutbestrafen des Kindes. — Analogie zum Primitiven. — Das Schuldgefühl. — Naturstrafe, Dressur und Erziehungsstrafe. — Der Konflikt des Ödipus als normale Entwicklungsstufe. — Beispiele. — Das Alter des Kindes und die Entwicklung seines logischen Denkens andern den Einfluß des Strafens. — Analogie zwischen den Stufen des einzelnen Kindes und denen der Menschheit. — Schuldgefühl, Strafbedürfuis und Geständniszwang. — Reife zur Strafe.
Strafe ist die bewußte Zufügung eines Übels wegen Übertretens irgendwelcher Vorschriften ethischer und auch nicht ethischer Normen, durch eine bestimmte Persönlichkeit. Die Bereitschaft zum Strafen, Bestraft werden und Sichselbstbestrafen wird in der gleichen Zeit im Kind erweckt und aufgebaut, in der cs von den Erziehern die ersten sittlichen Gebote empfängt. Mit ihnen zugleich erfährt es von der Strafgewalt der Erzieher und der Forderung, so zu handeln, daß die Strafe vermieden wird. Es gleicht sich seinen Erziehern an und „identifiziert” sich mit ihnen, d. h. es übernimmt Eigenschaften und Verhaltensweisen von ihnen. Das geschieht zuerst unbewußter- und allmählich bewußterweise aus dem natürlichen Bedürfnis nach Kontakt und Anlehnung, der Vorform des Autoritätsbedürfnisses, aber auch aus Not und Angst vor Liebesentzug und Strafe — und aus Liebe. Das Kind nimmt in diesem Verähnlichungs- oder Assimilationsprozeß das Bedürfnis nach Erziehung und nach Strafe als aktive Strebung in seine eigene Persönlichkeit auf. Es erlebt aber auch gleichzeitig in seiner leiblichen und seelischen Hilfslosigkeit passiv Erziehung und Strafe. Die Spannung zwischen seinem Ic