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Es gibt in der Witz-Produktion aller Völker bestimmte Figuren, die immer wiederkehren. Sie dienen den Humoristen stets von neuem als dankbare Objekte, denen mannigfache Eigenschaften und Lebensäußerungen angedichtet werden, die zum Lachen reizen.
Solche internationale Witz-Gestalten sind unter anderen der gehaßte Staatsmann, der Jude, die Schwiegermutter und — der Erzieher, ob es sich um den „zerstreuten Professor”, die „Gouvernante” oder ums „arme Dorfschulmeisterlein” handelt, wie es in einem bekannten Spottliedchen gezeichnet ist.
Geht man den Gründen nach, warum sich der Volkswitz aller Länder gegen die oben aufgezählten Personen richtet, so findet man, daß er der Abwehr dient. Lächerlichkeit tötet, sagt das Sprichwort. Und Lächerlichmachung entwertet.
Die Entwertungstendenz ist mehr als eine spielerische und zufällige Laune der seelischen Tätigkeit. Sie ist seelisches Bedürfnis Personen gegenüber, die irgendwie überwertig, gefährlich, unheimlich oder doch unbequem sind und deren man sich aus verschiedenartigen Gründen nicht anders erwehren kann. Witz und Lächerlichmachung sind imstande, verhaltener Animosität einen Abfluß zu schaffen, aufgestauten Groll zu entladen, heimlichen Haß zu entspannen und verborgener oder offener Ablehnung einen anscheinend harmlosen, von Gesellschaft, Brauch und Sitte erlaubten Ausdruck zu geben.
Es gibt im Leben der Völker Situationen, wo der Haß gegen gewisse Witzfiguren handgreiflichere Formen annimmt. Gegen das gehaßte Staatsoberhaupt bricht die Revolution aus, und gegen den Juden richtet sich das Pogrom. Man sagt dann: „Aus dem Witz ist blutiger Ernst geworden!” und in solchen Zeiten hört das Witzereißen auf, weil es nicht mehr nötig ist, da sich der Haß anders und mächtiger äußern kann.
„Hinter einem jeden Witze steckt Ernst!” wird etwa gesagt. Der Ernst, der hinter den Witzen steckt, ist sehr häufig der Haß. In Revolutions- und Pogromzeiten bricht er in seiner ursprünglichen und rohen Form gegen bestimmte Witzfiguren durch und über