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Das asoziale Verhalten kann durch äußere und durch innere Momente bedingt sein. Ein Kind, das nicht genug zu essen bekommt, lieblos behandelt wird und nur schlechte Beispiele sieht, stellt sich häufig asozial ein. Wenn aber dieses Kind zu guten Pflegeeltern kommt und weiterhin asozial bleibt, oder wenn ein Kind, das in normalen Verhältnissen aufwächst, sich schlecht entwickelt, dann liegen innere Gründe für die Asozialität vor und es ergibt sich für den Psychotherapeuten die Aufgabe, diese zu erkennen und zu beheben. In dieser Arbeit will ich mich ausschließlich mit den inneren, den psychischen Ursachen der Asozialität befassen.
Gewöhnlich wird angenommen, daß das asoziale Verhalten dadurch zustandekommt, daß die moralischen Gefühle, die beim normalen Menschen die primitiven Triebe eindämmen, nur mangelhaft entwickelt sind. Auf Grund dieser Auffassung versucht man beim asozialen Kinde moralische Regungen zu wecken und zu entwickeln, oder wenn dies nicht gelingt, durch Strafen seine asozialen Regungen niederzuhalten.
In der psychoanalytischen Behandlung asozialer Kinder und Jugendlicher habe ich gefunden, daß das asoziale Verhalten nicht einfach durch das Fehlen moralischer Regungen, sondern durch verschiedene, meist recht komplizierte Vorgänge zustandekommt. So kann asoziales Verhalten dadurch entstehen, daß die Aggression sich nicht in normaler Weise äußern kann, sondern in asozialen Handlungen durchbricht. Die elfeinhalbjährige Lotte wurde in Behandlung gegeben, weil sie seit vielen Jahren in einem solchen Ausmaße log, — meist in der Absicht Elternhaus und Schule, sowie die Eltern untereinander zu entzweien, — daß man sie nicht mehr in der Schule behalten wollte. Sie hatte auch einige kleine Diebstähle begangen. Lotte war ein hübsches und intelligentes Mädchen, das aber weder die Eltern, noch sonst jemanden wirklich liebte, keine Gefühle zu haben schien, z. B. nie Freude zeigte, und dem Kritik, Phantasie und auch normale Aggression in ungewöhnlichem Maße abgingen. S