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Im Mai 1931 veranstalteten die American Psychiatric Association und die American Psychoanalytical Association eine gemeinsame Tagung in Toronto; dort trug ich meine Arbeit „Der Stand der Kinderanalyse und ihre Bedeutung für Psychiatrie und Child Guidance” vor. Ich wollte damit die Aufmerksamkeit auf diesen neuen, den meisten wohl unbekannten Zweig der Psychoanalyse lenken, die Kinderanalyse von allgemeinen Gesichtspunkten aus besprechen und die Frage stellen, ob und wieweit sie bereits in U. S. A. ausgeübt wird. Inzwischen sind in Fachzeitschriften und Magazinen wiederholt Beiträge zu diesem Thema veröffentlicht worden. Nicht alles von dem, was dort mitgeteilt wird, würde die Zustimmung des europäischen, analytisch geschulten Lesers finden. Aber unter den amerikanischen Kinderpsychiatern und Kinderärzten besteht zweifellos ein Bedürfnis nach einem intensiveren Kontakt mit der europäischen Kinderanalyse, nachdem sie in den letzten Jahren zu den bisher üblichen klinischen auch die Methoden und Techniken der Child Guidance-Bewegung aufgenommen haben.
Ich möchte hier vorerst meinen eigenen Weg als Psychiater und Psychotherapeut skizzieren, soweit er von der Psychoanalyse im allgemeinen und der Kinderanalyse im speziellen beeinflußt worden war. Viele Jahre hindurch konnte ich in der Privatordination, in öffentlichen Erziehungsanstalten, Kliniken, Jugendgerichten, ferner in Schulen, im Kontakt mit Kindern, Eltern, Lehrern und Fürsorgern eigene Einsichten und Erfahrungen, die mir die Kenntnis der Psychoanalyse nahegelegt hatten, sammeln. So lernte ich bald von den zahlreichen jugendlichen Verbrechern, asozialen Kindern, deren Verständnis August Aichhorn uns später so nahegebracht hat, eine Gruppe gestörter Kinder trennen, welche sich ähnlich benahmen wie die Erwachsenen, die einen Analytiker zwecks Behandlung und Heilung ihrer Leiden aufsuchen. Lange bevor die organisierte Child Guidance-Bewegung existierte, fragte ich mich immer wieder, wie wir das Verhalten asozialer und