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Ein vierjähriges Mädchen sieht zu, wie das zweijährige Brüderchen gebadet wird. Nach einer Weile sagt es zur Kinderfrau: „Warum laßt du ihm die Haare nicht wachsen, dann wär’ er ein Mäderl.”
Auf diese kleine Geschichte paßt der Titel „Kinderbeobachtung” in doppeltem Sinn, im aktiven wie im passiven. Denn darin ist zu beobachten, wie ein Kind beobachtet und wie es die Beobachtung verwertet und weitergibt. Und wir können daran lernen, wie Kinder analytisch zu beobachten und zu verstehen wären. Es ist ja die große Schwierigkeit im Verständnis der Kinder, daß sie erst nicht sagen können, was sie meinen und wollen, und sich's dann nicht mehr zu sagen getrauen, weil die Erwachsenen und die beginnende eigene Verdrängung des Kindes dem entgegenstehen. Und doch sind Kinder voll von Ausdruck und Mitteilung, schon weil die Intensität ihrer Triebwünsche eine so hohe ist, daß es sich aus ihnen nach außen drängt, an die Objekte, die im Mittelpunkt ihrer zärtlicherotischen und aggressiven Wünsche stehen. Die Mitteilung bedeutet dann Triebbefriedigung, Ermäßigung der ungestümen Triebspannung, Entlastung der kindlichen Seele. Oft auch Aufforderung zu gemeinsamem Genuß, also Verführung (siehe hiezu Dorothy Tiffany Burlingham: Mitteilungsdrang und Geständniszwang1). Aber die hemmenden Kräfte dringen auf Entstellung und aus dem Triebverlangen, respektive seiner ausdrucksweisen Äußerung einerseits und dem Einspruch der hemmenden Instanzen andererseits schafft sich eine Zwischenbildung, ein Kompromiß. Bei den meisten seelischen Äußerungen der Kinder wie der Erwachsenen haben wir es mit Kompromißbildungen zu tun, die immer aus gegensätzlichen Kräften entstanden sind.
In unserem Falle der Äußerung des kleinen Mädchens „Warum laßt du ihm die Haare nicht wachsen, dann wär’ er ein Mäderl” ist die Triebtendenz und ihre Hemmung zur Entstellung so deutlich und aus der Situation so klar erkennbar, daß man ohne jegliche Analyse das ursprüngliche Triebverlangen sofort erkennen kann. Sehr einsichtig s