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Der von dem schweizer Psychoanalytiker und Psychiater Hermann Rorschach (gest. 1922) entwickelte psychodiagnostische Test, der sogenannte Rorschachtest, hat in den letzten Jahren eine rasch wachsende Verbreitung gefunden. Er war für die Bearbeitung einer theoretischen Fragestellung der Psychiatrie erdacht worden, und auch nachdem sich seine praktische Verwendbarkeit herausgestellt hatte, blieb seine Kenntnis und Anwendung auf einen relativ kleinen Kreis beschränkt. Es ist vornehmlich der Arbeit der schweizer Schüler Rorschachs zu danken, daß sich die Anerkennung des Rorschachtests neuerdings in weiteren Fachkreisen durchsetzt. Besonders im Dienst der Erziehungs- und Berufsberatung wird er immer mehr verwendet. An der Erziehungsberatungsstelle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung ist der Rorschachtest schon seit mehreren Jahren in regelmäßigem Gebrauch; aber auch z. B. unter den „social workers” der privaten Jugendfürsorge in den Vereinigten Staaten hat er bereits Kenner und Verfechter gefunden.
Der Aufsatz von Zulliger ist keine bloße programmatische Erörterung, sondern er ist aus der praktischen Arbeit heraus geschrieben und gibt dem Leser ein ungemein plastisches Bild von der Leistungsfähigkeit des Rorschachtests. Er enthält außer acht kurz skizzierten Fällen drei ausführlich dargestellte mit allen Antworten der Probanden und instruktiver Erläuterung ihrer Auswertung. Sie sind gleichzeitig schöne Beispiele für die auf das Ergebnis des Tests sich stützende Zusammenarbeit des Beraters mit den Eltern und der Schule. Besonders eindrucksvoll sind der zweite und der dritte Fall: das eine Mal wird durch den Rorschachtest der Verdacht einer geistigen Störung bei einem 17jährigen Burschen aus dem Wege geräumt und die Diskrepanz