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Unter den Entdeckungen der Psychoanalyse ist der Ödipuskomplex ein besonderes Schmerzenskind, obwohl er als ein allgemein-menschliches Entwicklungsstadium und als der Kernkomplex der Neurosen anzusehen ist. Wie viele andere Tatsachen der Psychoanalyse hat er im allgemeinen Aspekt viel Unwahrscheinliches an sich, ein natürlicher Widerstand erhebt sich gegen ihn, denn er zerstört das unschuldige harmlose Bild des Kindes, wie es in der vorpsychoanalytischen Zeit den Psychologen und heute noch den meisten Eltern und vielen Ärzten erscheint.
Der Ödipuskomplex aber hat noch die besondere Eigenschaft, nur eine beschränkte Zeit im Leben des Einzelnen zu existieren und dann unterzugehen, in eine Lebenszeit zu fallen, die normalerweise vergessen wird (kindliche Amnesie), sich oft nur unscheinbar nach außen zu äußern, ins Unbewußte verdrängt zu werden, ferner durch Verhüllung, Reaktionsbildung sogar „umgekehrt” in Erscheinung zu treten. Ferner zeigt er eine Phasenbildung, verschiedene Fronten in verschiedenen Zeiten, kurz man kann sagen: der Laie, der mit dessen persönlichen Eigenschaften nicht vertraut ist, trifft den Ödipuskomplex vielfach nicht zu Hause an, wenn er den Unsympathischen doch einmal kennenlernen möchte. Vor Leuten, die weder Psychoanalytiker sind, noch das Unbewußte, die Träume, die Neurosen und Psychosen kennen, vor diesen Leuten legt der Ödipuskomplex vielfach eine Tarnkappe an und ist nicht da, obwohl er — existiert.
Dazu kommen in neuerer Zeit die Feststellungen über die dem Ödipuskomplex vorausgehenden, sogenannten präödipalen Libidopositionen, die besonders beim weiblichen Individuum eine umgekehrte Einstellung aufweisen. Der Ödipuskomplex bietet also heute ein fassettenreiches Bild und es wird von Spezialformen des Ödipuskomplexes gesprochen (Feniche1).
Von einer selteneren, den Komplex verstärkenden Vorbedingung soll hier die Rede sein.
Es bleibt ein Experiment der Natur, wenn der Vater erst in jener Lebenszeit des Kindes in prägnante Erscheinung tritt, wo