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Ich habe nachgedacht, was aus meinem Fach, der Psychoanalyse, Lehrer interessieren mag. Psychoanalyse, das ist eine genetische Psychologie, die als solche neue Erkenntnisse über das Seelenleben der Kinder gebracht hat, und diese neue Kinderpsychologie interessiert natürlich den Pädagogen. Aber inwiefern und wozu will er sie benutzen? Als Lehrer will er zunächst unterrichten, Kenntnisse vermitteln. Dabei kann ihm die Psychologie für die Zwecke der Didaktik wichtig sein. Und tatsächlich ist es auch für diese von Bedeutung, daß wir uns das „Lernen” heute nicht so sehr als eine reine Verstandestätigkeit vorstellen, sondern die Erkenntnis der Psychoanalyse berücksichtigen, daß Kinder Triebwesen sind; die Lernfähigkeit hängt dementsprechend außer von der Begabung auch von Förderungen oder Hemmungen von Triebimpulsen aller Art, von Sympathie oder Antipathie dem Lehrer gegenüber ab, die aus einer Übertragung früherer Lebenserfahrungen auf die neue Schulsituation stammen können.
Wichtig aber ist, daß sich der Lehrer außer dem Ziel des Unterrichts auch das der Erziehung setzt. Und hier stocke ich schon. Was ist eigentlich „Erziehung”? Die planmäßige Änderung von Menschen, besonders von Kindern durch die ältere Generation. Aber Veränderung wozu? Fragt man so, so erhält man recht verschiedene Antworten. Manche von ihnen erscheinen rationaler Natur: die Kinder sollen aus Triebwesen gesellschafts- und kulturfähige Menschen werden. Manche klingen irrationaler: die Kinder sollen zu höherer Glücksfähigkeit, zu Altruismus, zur Erfüllung von allerhand Idealen gebracht, schließlich soll die Menschheit verbessert werden. Bescheiden sind solche Ziele nicht. Wo stammen sie her? Sicher nicht aus wissenschaftlicher Erkenntnis. Aus einem Sein kann nie ein Soll abgeleitet werden. Bemühen wir uns in der Psychoanalyse, ohne Wertungen — wie in der Naturwissenschaft — die Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Seelenlebens zu erforschen, die Art und Weise, wie letzten Endes biologische Triebstrukturen