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Freuds Versuch einer allgemeinen Typenlehre1) geht davon aus, die Menschen danach einzuteilen, wie sie ihre Libido in den Provinzen des seelischen Apparates untergebracht haben. Er unterscheidet den erotischen, den narzißtischen und den Zwangs-Typ. Er weist darauf hin, daß die größte Anzahl der Menschen Mischtypen sind, und betont die Möglichkeit, auch nach andern Gesichtspunkten einzuteilen. Zulligers Jugendliche gehören wohl zu narzißtisch-erotischen Mischtypen. Ob sie als „triebhaft” zu bezeichnen sind, hängt in jedem Fall davon ab, ob ihre Triebe, die Sexualität und die Aggressivität, tatsächlich abnorm stark sind oder — ob sie nur so erscheinen, weil die Hemmung durch ein Über-Ich wegfällt. — Auf jeden Fall ist uns als Arbeitsthema von Zulliger in dankenswerter Weise das Problem vorgelegt worden, ob ein Mensch durch Erkrankung, normale oder abnorme Entwicklung oder Eingriffe irgendwelcher Art, z. B. durch die psychoanalytische Therapie, von einem in einen andern Typ übergehen kann. Eigene Beobachtungen lassen vermuten, daß das möglich ist. Der erotisch-narzißtische Typ vereinigt nach Freud Gegensätze, die sich in ihm gegenseitig schwächen können. Aggression und Aktivität gehen zusammen mit der Vorherrschaft des Narzißmus. Die Jugendlichen Zulligers weisen anscheinend eine stärkere Betonung der rein narzißtischen Komponente auf. Deshalb sei hier die Kennzeichnung Freuds vom „rein narzißtischen Typ” wiedergegeben:
„Keine Spannung zwischen Ich und Übcr-Ich — man würde von diesem Typus her kaum zur Aufstellung eines Über-Ichs gekommen sein — keine Übermacht der erotischen Bedürfnisse, das Hauptinteresse auf die Selbsterhaltung gerichtet, unabhängig und wenig eingeschüchtert. Dem Ich ist ein großes Maß von Aggression verfügbar, das sich auch in Bereitschaft zur Aktivität kundgibt; im Liebesleben wird das Lieben vor dem Geliebtwerden bevorzugt. Menschen dieses Typus imponieren den andern als „Persönlichkeiten”