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Die Pubertät wurde vor Freuds grundlegenden Einsichten über die psychosexuellen Vorgänge der Kindheit als der Zeitabschnitt in der Entwicklung des Individuums betrachtet, der dadurch charakterisiert ist, daß in ihm zu den bisherigen Äußerungen des seelischen und körperlichen Lebens der Sexualtrieb als ein Neues, bisher noch nicht Dagewesenes hinzutritt. In diesem Sinne vorfreudscher Psychologie ist die Pubertät das Zeitalter der Geschlechtswerdung. Während nach dieser Ansicht das Individuum bisher als asexuelles Wesen gelebt hat, trete nunmehr unter dem Einfluß des zu dieser Zeit deutlich wachsenden Geschlechtsapparates das psychophysische Novum der Geschlechtlichkeit auf und äußert sich in somatischen und seelischen Vorgängen.
Auch für die Psychoanalyse besteht kein Zweifel, daß die Pubertät somatisch in erster Linie durch das manifeste Wachstum der Genitalien zu kennzeichnen ist. Die Geschlechtsorgane unterliegen in einer langen Periode der kindlichen Entwicklung — etwa vom fünften Lebensjahr bis zur Pubertät, deren Beginn wir im allgemeinen mit 12 bis 14 Jahren anzusetzen pflegen — einer relativen Wachstumshemmung, d. h. die Entwicklung der Geschlechtsorgane hält in dieser Zeit, die die Psychoanalyse als Latenzperiode bezeichnet, mit der übrigen körperlichen Entwicklung nicht gleichen Schritt, bis eben in der Pubertät dieser Entwicklungsrückstand in relativ kurzer Zeit aufgeholt wird. Auch beginnen in dieser Zeit die Geschlechtsdrüsen ihre Funktion, was sich beim männlichen Individuum in nächtlichen Samenergüssen, die wir Pollutionen nennen, beim weiblichen durch das Eintreten der Menstruationstätigkeit der Gebärmutter anzeigt. Bei beiden Geschlechtern sind die eben erwähnten Anzeigen die Zeichen dafür, daß das Individuum in den Zustand der Fortpflanzungsreife eingetreten ist. Insoferne die vorfreudsche Psychologie die Begriffsinhalte Sexualität und Fortpflanzungsfunktion zusammenfallen läßt, tut sie Recht daran, den Eintritt der Sexualität ins psychophysische Get