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Für den Erziehungsberater erhalten „Theorien” gelegentlich eine viel realere Bedeutung, als sie an sich beanspruchen könnten. Für ihn sind die Meinungen, die sich Eltern und Lehrer der in Beratung ge-Verhalten zugrundelegen, ja auch die Meinungen und Prinzipien, die sie bewußt oder unbewußt, offen oder versteckt ihrem erzieherischen Verhalten zugrundelegen, ja, auch die Meinungen und Prinzipien, die sie beim Berater stillschweigend vermuten, nicht weniger wirksame Faktoren als so manche Bestandteile der äußeren Realität. In allen jenen Fällen, in denen die Besucher von Beratungsstellen vom Berater wissen oder vermuten, daß er psychoanalytischen Betrachtungsweisen nicht ganz fremd gegenübersteht, erhalten vor allem die Vorstellungen von Wesen und Bedeutung des Sexuellen, die bei allen Beteiligten herrschen, eine ganz besondere Aktualität. Dadurch wird so manche Frage praktisch interessant, über die als Theorie die Diskussion längst geschlossen ist. In diesem Sinne ist auch unser Thema gemeint.
Wem die Entdeckung der Sexualität des Kindes durch Freud Angst verursacht, der wehrt sich gegen sie am zielsichersten, indem er gegen die Psychoanalyse den Vorwurf des „Pansexualismus” erhebt. Dieses Verfahren ist nicht neu. Es handelt sich vielmehr um eine alte und wohlerprobte Methode der Bekämpfung Freud scher Lehren, deren sich auch heute noch jeder bedient, dem darum zu tun ist, ein negatives Urteil über Freud zu fällen, ohne doch vorher seine Schriften so gründlich lesen zu müssen, daß er sie auch versteht.
Der Inhalt dieses Vorwurfes ist selten klar formuliert. Im allgemeinen läßt er sich wohl meist auf die Formel bringen: „Die Psychoanalytiker behaupten, daß alles sexuell ist”. Oder, etwas genauer ausgedrückt: „Unter Pansexualismus versteht man die Eigenheit der Freudschen Psychologie, alles aus dem Sexuellen heraus zu erklären”. Praktisch meinen nicht alle, die den Ausdruck verwenden, ganz dasselbe. Manche sind milder als der Begriff, den sie zitieren. Sie sind im Grunde