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Ich hatte Gelegenheit, in einer Gruppe von fünf- bis sechsjährigen Kindern die Freundschaft zwischen zwei kleinen Mädchen zu beobachten, über deren Verlauf ich hier berichten will.
Die 5½jährige Eva, das Kind eines Handelsagenten, lebte mit Vater und Mutter in einem Kabinett in Untermiete. Die Mutter habe ich, obwohl Eva drei Jahre lang den Kindergarten besuchte und ihre Wohnung nicht weit entfernt war, kaum gekannt, da sie nur im ersten Jahr, als Eva noch nicht in meiner Gruppe war, das Kind manchmal brachte oder holte; später überließ sie dies völlig dem Vater. Ich kannte sie nur aus Evas Erzählungen; das Kind sprach mit großer Bewunderung von ihr, wie schön sie sei, und was für schöne Kleider sie habe. So erfuhr ich auch, daß Eva von der Mutter öfters ins Kaffeehaus mitgenommen wurde.
Eva war ein hübsches Kind, klein und zart und ungewöhnlich eitel. Von seiten der Eltern wurde diese Eigenschaft gefördert, sie hatte fast immer lackierte Fingernägel und gebranntes Haar. Sie erzählte mir einmal, daß sie in der Nacht ganz ruhig liegen müsse und den Kopf nicht bewegen dürfe, um ihre Frisur nicht zu zerdrücken. An zwei Tagen der Woche wurde sie früher als sonst vom Kindergarten abgeholt, da sie eine Tanzschule besuchte. Wie wichtig ihr diese Tanzschule war, zeigen folgende Beispiele: Sie war im Garten beim Schnurspringen hingefallen und hatte eine kleine Wunde auf der Stirn davongetragen, die gereinigt und verbunden wurde. Sie hielt sich sehr tapfer und erklärte, es tue ihr gar nicht weh. Plötzlich fing sie zu schluchzen an und antwortete auf meine Frage nach dem Grund: „Übermorgen habe ich Tanzstunde, da kann ich doch nicht mit einem Pflaster hingehen.” Am nächsten Tag berichtete sie, ihr Vater habe ihr das Schnurspringen verboten. Als ich mit ihm darüber sprach, war er ganz erstaunt und erklärte mir, er habe nicht im entferntesten daran gedacht. Sie hatte sich wohl das Verbot aus Angst, sich noch einmal zu verunstalten, selbst diktiert.
Ein zweites Beispiel: Eines Nachm