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Die Rekonstruktion der realen Umwelt, in der das Kleinkind seine für das spätere Leben so bedeutsame Entwicklung durchmacht, müßte für das Verständnis der Lebensläufe Gesunder wie Kranker von Bedeutung sein. Es soll daher im folgenden der Versuch gemacht werden, die Schwierigkeiten und Aussichten eines wirklichen Eindringens in diese Welt zu erörtern. An dem Beispiel der Raumverhältnisse soll dann gezeigt werden, wie eine Einfühlung in die reale Welt des Kleinkindes möglich erscheint.
Die experimentelle Psychologie hat in langer und mühevoller Arbeit versucht, das Verhältnis des Kleinkindes zu dem es umgebenden Raum zu erforschen. Es hat sich herausgestellt, daß das Auge dabei nicht die überragende Rolle spielt, wie es bei flüchtiger Beurteilung scheinen könnte. Man muß hier berücksichtigen, daß das Netzhautbild mit der Entfernung des Objektes wechselt und ein vorgehaltener Gegenstand in einem Meter Abstand viermal so groß erscheint als in einer Entfernung von zwei Metern. Die Angleichung des Netzhautbildes an die tatsächliche Realität wird erst ermöglicht durch den komplizierten Vorgang der taktil-motorischen Erforschung des Raumes, der dem Kinde erst zugänglich wird, nachdem es sich aktiv fortbewegen kann. Dora Musolt und H. Volkert sagen darüber aus: „Die Größe eines Gegenstandes wird umso genauer beurteilt, nicht je geometrisch einfacher und eigenschaftsloser er ist, sondern je momentreicher und gestalteter, insbesondere je mehr nicht Optisches sondern Motorisches, vor allem Taktil-Motorisches und Emotionelles, wie z. B. bei Kugeln, in seine Gestaltauffassung eingeht. Die Leistungen des sogenannten Augenmaßes sind überhaupt nicht allein aus dem rein Optischen zu verstehen. Begünstigt wird diese Erwerbung von Erfahrung dadurch, daß das Tastempfinden des Kindes gegenüber dem des Erwachsenen ungeheuer verfeinert ist, da die Nervenendigungen als Träger des Tastempfindens sich im Laufe des Wachstums nicht vermehren und somit auf eine viel kleinere Fläche verteilt sind