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Der Detektivroman ist ein wichtiger Bestandteil der Literatur. Erwachsene und Kinder lesen ihn mit gespanntem Interesse und sind in gleicher Weise unwillig über jede Unterbrechung der Lektüre; während aber der Erwachsene, was und wann er will, lesen kann, sind die Kinder sehr oft gezwungen, sich mit ihrer spannenden Lektüre zu verstecken. Ein Teil der Erzieher hält es nämlich immer noch für richtig, die Zöglinge vom Lesen dieser „Schundromane” abzuhalten oder sie dabei wenigstens soviel als möglich zu stören. Die Erfahrung lehrt, daß pädagogische Maßnahmen dieser Art — sei es nun, daß man verbietet, kritisiert oder versucht, die Verurteilung beim Kinde selbst hervorzurufen — zumeist fehlschlagen und nur den Erfolg haben, daß das Kind von nun an vorsichtiger ist.
Wenn wir gegen eine Gewohnheit oder Unart der Kinder mit unserer Pädagogik und mit den Mitteln der Vernunft machtlos sind, nehmen wir an, daß sie eine unbewußte Bedeutung haben, zu deren Aufdeckung wir die Analyse zu Hilfe rufen können. Hans Zulliger hat dies, wie er in seiner Arbeit „Der Abenteurer-Schundroman”1) zeigt, getan. Er hat einen dieser Schundromane analysiert und seine unbewußte Bedeutung für einen Jungen, dessen Lieblingslektüre dieses Buch war, aufgedeckt. Er hat gefunden, daß das Lesen von Detektiv geschichten für den Jungen ein Mittel zur Bewältigung und Abwehr seiner Angst war.
Ich habe im Verlaufe einer im ganzen zwei Jahre dauernden Analyse Gelegenheit gehabt, die Sucht oder den Zwang — wie man es nennen will — Detektivromane zu lesen, bei einem zwölfjährigen Jungen zu beobachten und zu analysieren. Diesen Analysenabschnitt, der sich auf einen Zeitraum von etwa sechs Monaten erstreckt, möchte ich im folgenden darzustellen versuchen.
Karl kommt mit zwölf Jahren zu mir in die Analyse. Er ist ein großer, hübscher Junge mit offenem Blick, aber von sehr gehemmtem Wesen. Sein Onkel, der Bruder des Vaters, hat ihn zu mir gebracht, weil Karl an schwerer Angst leidet. Auch lernt er schlecht.