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„In der Theorie der Pädagogik ist der Begriff der Dressur seit dem Humanismus immer abgelehnt worden… Aus manchen Systemen der letzten Jahrzehnte ist sogar das Wort Dressur verschwunden… Selbst in der Militär- und Gefangenenerziehung … hält man nach besseren Methoden Umschau.”
Im Widerspruch zu diesen Tendenzen der Theorie blieben nach Ansicht der Verfasserin in der alltäglichen pädagogischen Praxis, selbst in der Normalerziehung, reichlich Spuren von Dressurmethoden erhalten. „Man sprach nicht darüber, denn man hatte ein schlechtes Gewissen dabei, aber man benützte die Dressur weiter.”
Wenn das tatsächlich so ist, so scheint es selbstverständlich, daß sich das theoretische Interesse der Pädagogen schließlich wieder auch der Dressur zuwendet. Diese Zuwendung scheinen Förster mehrere Umstände erleichtert zu haben: der vor allem Hagenbeck zu verdankende Wandel der Gewaltdressur der Tiere zur „humanen” Dressur; die Anstrengungen und oft auch Erfolge der „objektiven Pädagogik”, worunter offenbar das gemeint ist, was Staaten und Parteien treiben, um über die Beeinflussung der äußeren Haltung auf die Gesinnung zu wirken; der Behaviorismus und die von ihm beeinflußten Theorien, die mehr oder minder den ganzen Bereich der Erziehung von der Dressur aus verständlich machen wollen.
Die vorliegende Arbeit Försters gibt dem Leser einen klaren Überblick über das Gesamtgebiet der Dressur der Tiere, die mechanische Dressur der niedern Tiere, die persönliche der höheren, sowie über die Dressur in der Menschenerziehung, schließlich dem Interessierten reichliche Literaturangaben.
Wir erfahren, daß es Dressur auch schon bei den niedrigst organisierten Tieren, den einzelligen, gibt. Die Biologen haben, um Auskünfte über die Physiologie und das Verhalten der Tiere zu gewinnen, eine große Menge von Experimenten angestellt, deren Methode die Dressur ist. Schon Infusorien besitzen „Lernfähigkeit”, „vergessen” allerdings das „Gelernte” bald wieder. Die Tiere werden etwa in eine Kapillare gesetzt