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Wie in jeder jungen Wissenschaft, die auf die Verarbeitung von Beobachtungsmaterial angewiesen ist, so bestand — und besteht auch heute noch in gewissem Sinne — in den Anfängen der Kinderpsychologie eine deutliche Diskrepanz zwischen der Fülle der neu auftretenden Ideen und Theorien und dem Beobachtungsmaterial, an dem diese Ideen aufgezeigt und diese Theorien bewiesen werden konnten. In den Anfängen der Jugendpsychologie wurden Tagebücher von Jugendlichen gesammelt und publiziert, mit dem wachsenden Interesse an der Psychologie des Säuglings- und Kleinkindalters wurden von psychologisch interessierten Eltern die über ihre Kinder geführten Tagebücher veröffentlicht. Es erschienen — um nur die bekanntesten zu nennen — das Tagebuch der Eltern Scupin über ihren Sohn, die Aufzeichnungen der Amerikanerin Miss Shinn über ihre Nichte u. a. m.
Aufzeichnungen dieser Art dienten dann sowohl als Tatsachenmaterial psychologischer Monographien wie auch als Kontrollmaterial zu weiteren entwicklungs- und experimentalpsychologischen Arbeiten, ein ausreichender Grund, um sich an dieser Stelle mit der wissenschaftlichen Dignität der Tagebuchaufzeichnungen auseinanderzusetzen.
Es besteht kein Zweifel über den Wert von Tagebuchaufzeichnungen für die Erfassung eines individuellen Entwicklungsganges, vorausgesetzt, daß es sich um die vorurteilsfrei angestellte und möglichst vollständigen Beobachtungen eines geschulten Beobachters handelt. Problematisch wird ihr Wert aber immer dann, wenn diese Bedingungen nicht erfüllt werden oder Deutung- und Verallgemeinerung ohne entsprechende Grundlage hinzutreten.
Das vorliegende Werk ist meines Wissens das einzige von einem Berufspsychologen veröffentlichte Tagebuch — Rasmussen ist an der Lehrerhochschule in Kopenhagen tätig und Verfasser mehrerer psychologischer