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Die Psychoanalyse, die Wissenschaft vom Unbewußten und vom Triebleben, erweist sich immer mehr und mehr als wertvollste Hilfe in der Erziehung.
Allerdings fand die Psychoanalyse erst auf weiten Umwegen ihre Anwendung auf die Erziehung. Freud hat bei der Analyse der Neurosen Erwachsener die Rolle der in der Kindheit erlittenen Traumen für die Entstehung dieser Neurosen entdeckt. Diese bedeutsame Entdeckung war die Quelle der psychoanalytischen Sexualtheorie, die uns eine neue und viel umfassendere Auffassung der Sexualität als vordem gibt und uns ihre komplizierte Entwicklung vom Säuglingsalter bis zur Erwachsenheit des Individuums zeigt.
Eine vertiefte Kenntnis der infantilen Psychologie hat der Psychoanalyse erlaubt, als aktiver Faktor in die Erziehung einzugreifen. Die Kenntnis der Sexualentwicklung im oralen, analen und phallischen Stadium bis zur endgültigen Ausbildung des Genitalprimats hat die normalen und pathologischen Gefühlsreaktionen ebenso wie die Charakterbildung beim Kinde erklärt.
Man stellt sich nicht recht das Drama vor, das sich im Leben eines Kindes von Anbeginn bis zur Anpassung an die Forderungen des sozialen Lebens, des Lebens in der Gemeinschaft, abspielt. Der Erwachsene vergegenwärtigt sich nicht all die Schwierigkeiten, die das Kind beim Erdulden der Versagungen erlebt, die ihm von den Eltern und Erziehern auferlegt werden.
Das Kind kennt anfangs nur das Lustprinzip und sucht nur seine primitivsten physiologischen Bedürfnisse zu befriedigen: Nahrungsaufnahme, Urin- und Kotentleerung. Das erste Bedürfnis kann nur von der Mutter des Säuglings oder von der sie vertretenden Amme befriedigt werden und dabei stößt das Kind zum erstenmal auf die Schwierigkeiten der Außenwelt.
Es lernt, daß es diese Schwierigkeiten durch Schreien beherrschen kann. Dieser erste Reaktionsmechanismus kann später verwendet werden, um andere Befriedigungen herbeizuführen, die das Kind zu entbehren glaubt.
Die Psychoanalyse, die den Begriff der Sexualität sehr weit faßt, hat ge