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Obzwar bei der psychoanalytischen Arbeit nur sehr selten die Möglichkeit besteht, Zugang zum ersten Lebensjahr des Patienten zu finden, da an die Zeit vor der Wortfindung keine Erinnerungen bestehen, so wurde doch schon mehrfach der Versuch unternommen, diese Zeit auch von psychoanalytischen Erkenntnissen her neu zu beleuchten.
Den ersten Versuch, die Saugetätigkeit des Säuglings und deren Folgen zu erfassen, unternahm Freud in seiner Arbeit über Leonardo da Vinci. Die Erinnerung Leonardos lautet: „Es kommt mir als eine ganz frühe Erinnerung in den Sinn, als ich noch in der Wiege lag, ist ein Geier zu mir herabgekommen, hat mir den Mund mit seinem Schwanz geöffnet und viele Male mit diesem Schwanz gegen meine Lippen gestoßen.” Diese Erinnerung Leonardos wird dort als eine entstellte Wiederkehr des verdrängten Saugerlebnisses aufgefaßt. Freud meinte auch in dieser Arbeit, daß in der ausgeübten und phantasierten Fellatio die Erinnerung an die glückliche Situation des Saugens an der Mutterbrust durchbreche. In der psychoanalytischen Literatur sind solche Vergleiche nicht als dichterische Bilder, sondern als genetische Ableitungen aufzufassen. Mit anderen Worten heißt dies, daß Stillung und Abstillung Fixierungspunkte in der Psyche des betreffenden Kindes hinterlassen haben. Im Zusammenhang mit dieser Auslegung der Leonardoschen Erinnerung meint Bernfeld in seiner „Psychologie des Säuglings” (S. 260): „Daß bei der Abstillung ein Vorgang statthat, den wir Verdrängung nennen dürfen, ergibt sich auch daraus, daß die Psychoanalyse an Gesunden und Kranken in zahlreichen Fällen nachzuweisen vermag, daß die vergessene Situation im Unbewußten erhalten ist, ins Bewußte drängt und in mannigfach entstellter Form, in Träumen, Phantasien, Handlungen und Symptomen die freilich dem Ich ohne Analyse unkenntliche Bewußtwerdung, Erinnerung durchsetzt.”
Das Material, das uns die psychoanalytische Literatur über diese nach Bernfeld zahlreichen Fälle liefert, ist nun nicht sehr ausgiebig. Seh