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In der psychoanalytischen Erziehung des Kleinkindes haben uns früher ausschließlich die ersten Anzeichen der beginnenden oder bereits entwickelten Kindheitsneurose interessiert; vor allem war es die Angstbereitschaft des Kleinkindes, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zog und uns beim Kleinkind zu Hilfeleistungen auf analytisch-pädagogischer Basis veranlaßte. Wir glauben nun, gelegentlich, wenn die Umstände es erlauben, einen Schritt weitergehen zu dürfen, um die Charakterbildung und -entwicklung in ihren ersten Anfängen studieren und womöglich beinflussen zu können. Als Beispiel für diese Erweiterung unseres Arbeitsgebietes möchte ich im folgenden meine Erfahrungen mit der fünfjährigen Nora mitteilen, die ich in meinem Kindergarten längere Zeit hindurch beobachten konnte und zu beeinflussen hatte.
Als Nora zu mir in den Kindergarten kam, fiel sie vor allem durch ihre exaltierte Lebhaftigkeit auf. Sie wußte sich rasch in den Mittelpunkt der Kindergruppe zu bringen. Sie warb bei jedem Menschen um Aufmerksamkeit und Beachtung, die Mütter der anderen Kinder und die Besucher zwang sie, sich mit ihr zu beschäftigen. Dabei kann man eigentlich nicht behaupten, daß sie sich den Fremden direkt aufdrängt; sie gewinnt vielmehr die Aufmerksamkeit durch die strahlende Liebenswürdigkeit und durch die Intensität, die von ihrer Persönlichkeit ausgeht. Man könnte sagen, sie ergreift von jedem Menschen Besitz, der in ihre Nähe kommt. Das spüren andere Kinder so sehr, daß sie eifersüchtig sind, wenn Nora mit ihren Müttern ins Gespräch kommt.
Bald nach dem Eintritt in den Kindergarten fiel uns dann noch ein anderes Verhalten besonders auf: Nora ist, wie gesagt, ein sehr intensives Kind, ihre Gefühlsäußerungen wirken sehr stark, man spürt sie in der Gruppe, auch wenn man sich nicht direkt mit ihr beschäftigt. Dabei schwankt sie zwischen den Extremen. Sie kann bis zur Ausgelassenheit lustig sein, um dann plötzlich wegen eines geringfügigen Anlasses sich todunglücklich zu fühlen und zu zeig