You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
„Alles Äußere“, sagt Novalis einmal, „ist ein in Geheimniszustand versetztes Inneres“. Die tägliche Arbeit des Psychoanalytikers beginnt mit solchen oft unscheinbaren Geheimniszuständen, in die er rasch auch selbst einbezogen ist. Nicht nur interessiert ihn dabei die Natur des Verborgenen selber; er erforscht Sinn und Zweck, Weg und Weise, warum und wie das Geheime zu etwas Oberflächlichem verrätselt werden mußte, das allein er zunächst erfahren kann. Jedoch: „Das Unbewußte liegt nicht dahinter, sondern irgendwo anders“, wie de Baranger (1993, 36) treffend bemerkt. Insofern die Psychoanalyse eine Abwehrpsychologie ist, bilden das Manifeste und das Latente zwar eine ihrer unhintergehbaren Polaritäten, die Transformationen zwischen beiden aber den unwegsamen Pfad, den der Analytiker täglich viele Male erkunden und beschreiten muß. Solche Analyse bedeutet eine stetige rückläufige Arbeit an den inhaltlichen und formalen Wandlungen, die tieferliegendes Material durchlaufen mußte, um Tagesoberfläche werden zu können. Kurz und bündig ist daher Freuds (1901, 654) Bescheid, wonach die Analysenarbeit die Traumarbeit rückgängig zu machen habe.
Die Analyse soll von der Oberfläche zur Tiefe voranschreiten. Dieser Weg scheint für Psychoanalytiker früherer Zeiten eindeutiger beschildert gewesen zu sein: vom Bewußten über das Vorbewußte zum Unbewußten, vom Ich zum Es, von der Abwehr zum Abgewehrten, von der Gegenwart