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Noch immer hält Ernest Jones dreibändige Freudbiographie (Orig. , dt. ) den Rang eines Standardwerks, ist sie die herrschende Biographie. Dies gilt trotz der Kritik aus den eigenen Reihen, deren psychoanalytisches Wissen durch die von Kris und Kurz bereits 1934 dargestellte Entwicklung von Heldenlegenden geschärft wurde. Umso deutlicher hört man den Vorwurf der Naivität aus den Reihen der „Feinde,“ etwa Roazen oder Sulloway, nach denen sich Jones die abschätzige Wertung Hofbiographie, gar Hagiographie im Sinne der Heiligenlegenden gefallen lassen muß.
Jones dagegen besaß und nach ihm besitzt Kurt Eissler bis heute das Erkenntnismonopol in Sachen Archiveinsicht. Für jedwede Forschung verschlossen, konnte Jones z.B. nach dem Tod von Martha Freud ab 1951 Einsicht in die vermutlich mehr als 1.800 Brautbriefe nehmen, von denen bisher weniger als 100 veröffentlicht sind. Ankündigungen, in kurzer Zeit würden neue veröffentlicht, kursieren häufig in der präpublizistisch-wissenschaftlichen Welt; ein langes Forscherleben ist zu wünschen, da, als Schreckenswort von Mund zu Mund gereicht, nach neuesten Berichten diese Anteile des Washington'sehen Archives bis zum Jahr 2015 gesperrt seien.
Trotzdem entstand nun in den vergangenen 30 Jahren durch das Auffinden und die Veröffentlichung weiterer Dokumente, insbesondere der vollständig veröffentlichten Korrespondenz mit C.G. Jung und den Briefen Freuds an Fließ, den daraus gezogenen Querverbindungen und neuen Topoi des Interesses für alle Einzelphasen des Freudschen Lebens und Werkes ein umfassenderes Wissen, wodurch die Jones'sche Arbeit sich in Teilbereichen überlebt hat und wie jedes Buch der Wissenschaft notwendigerweise veraltet. Dagegen entsteht gerade aus der Sicht der neueren Forschungen, also aus der Kritik an Jones, dieses Buch als ein Dokument der leitenden Ideen einer bestimmten Epoche der Freudschen Rezeption — und kann dadurch, wenn auch