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Die Frage nach dem aufklärerischen oder romantischen Charakter der Freudschen Psychoanalyse ist keine müßige Spekulation, sondern eine Frage nach ihrem Gestus und ihren Intentionen. Freud als Aufklärer oder als Romantiker — beide Thesen sind belegbar und beschreiben jeweils doch nur einen Teil seines Werkes.1 Ein grober Überblick über die Stadien der Theorieentwicklung einerseits, über die thematischen Schwerpunkte andererseits zeigt, daß in der Anfangszeit der Psychoanalyse der aufklärerische Gestus überwiegt, während sich mit und nach der Veröffentlichung von „Jenseits des Lustprinzips“ eine romantische Haltung immer mehr Geltung verschafft. Man bemerkt zugleich, daß Freuds psychoanalytische Therapie in Methode und Theorie bis zuletzt aufklärerisch konzipiert bleibt, während sich seine Geschichts-, Kultur- und Gesellschaftstheorie von Anfang an als romantisch erweist.2 Eine derartige Gegensätzlichkeit hat fraglos ihre Folgen sowohl für die Theorie Freuds als auch für die Psychoanalytische Bewegung insgesamt gehabt. Immer wieder haben aufklärerisch gesonnene Analytiker Freud auf Widersprüche zwischen verschiedenen Auffassungen hingewiesen, beispielsweise auf die Unvereinbarkeit seiner 1915 veröffentlichten Triebtheorie mit seiner Triebmythologie von Eros und Thanatos.3 Dies soll allerdings nicht mein Thema sein, sondern das Verhältnis von Aufklärung und Romantik im Werk Freuds. Der Überschrift zufolge handelt es sich um einen Widerstreit; ein solcher schließt freilich eine Nähe zwischen beiden Haltungen nicht aus. Welche Bedeutungen aber haben diese Begriffe für die Psychoanalyse? Eine Stelle am Ende der „Studien über Hysterie“4 mag zur Veranschaulichung dienen. Freud gibt dort eine Beschreibung des analytischen Vorgehens in der Therapie der Hysterie. Diese Beschreibung enthält die Programmatik der noch zu entwickelnden psychoanalytischen Therapie sowie eine Anzahl von ineinander verschränkten Bildern, die in der Folgezeit zu regelrechten Theorien ausdifferenziert