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Freud ist aufgetreten und hat die Wahrheit verkündigt. Nach diesem messianischen Modell wird wohl niemand mehr die Psychoanalyse und ihre Geschichte beschreiben wollen. Weithin hat sich die Einsicht durchgesetzt, daß das Rätsel, wie sie entstehen und sich behaupten konnte, nicht personengebunden zu lösen ist. Die Psychoanalyse ist nicht nur das Werk Freuds. Sicherlich ist er ihre überragende Begründergestalt. Aber dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß es epochale Konfigurationen des Wissens und der Erfahrung gibt, die ein neues Denken erst auf seine Bahn bringen.
Um den Durchbruch von überschreitend Neuem zu verstehen, müssen die vorgegebenen Rahmenbedingungen untersucht werden, die von ihm gesprengt werden. Dazu sind vergleichende Untersuchungen erforderlich, die sich nicht bloß mit biographisch feststellbaren Traditionszusammenhängen und ihren Entwicklungslinien befassen. Eine solche Verengung des historischen Blicks wäre verhängnisvoll, weil sie thematische Konstellationen auf personale Verbindungen verkürzt und die Untersuchungen von geschichtlichen Feldern verhindert.
Die Grenzen, die eine personalistisch und szientistisch in sich abgeschlossene Wissenschaftsgeschichte absteckt, engen die Geschichtsschreibung der Psychoanalyse ungebührlich ein. Zwei Ausweitungen sind notwendig, die eine veränderte Wissenschaftsgeschichte ermöglichen. Sie muß sich öffnen, sie muß die sie bedingenden Existenzvoraussetzungen und damit auch die Verflechtungen von wissenschaftlichen Erfahrungen und ihrem historischen Formwandel mit anderen Erfahrungsformen und deren Geschichte berücksichtigen. Für die Geschichte der Psychoanalyse folgt daraus, daß sie den historischen Zeitraum erweitern muß, den sie zu untersuchen hat. Nicht nur das 19. Jahrhundert, sondern die abendländische Entwicklung insgesamt muß in den Blick gerückt werden, wenn man die konfigurationalen Strukturen der psychoanalytischen Erfahrung in ihrer historischen Herkunft und in ihrer über