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In der Historiographie der Psychoanalyse in Ungarn — in der die Geschichte sowie die psychologische, philosophische und ideologische Kritik an der Tiefenpsychologie eng miteinander verflochten waren — sind fünf Mythen entstanden, von denen drei durch Freuds Gegner und zwei von den Psychoanalytikern selbst in die Welt gesetzt wurden. Nach dem antisemitischen Mythos sei die Psychoanalyse eine „jüdische Wissenschaft“. Nach dem Mythos der organischen Psychiatrie seien die Freudschen Lehren spekulativ. Nach dem marxistischen Mythos sei die Psychoanalyse ein Verfallsprodukt des Imperialismus, das heißt eine dekadente und reaktionäre Wissenschaft. Nach der Behauptung von Ferenczis Rivalen sei die Laufbahn des ungarischen Meisters der Psychoanalyse nach 1920 durch seine angebliche Geisteskrankheit geprägt und beeinträchtigt gewesen. Nach Meinung eines Teil der heutigen ungarischen Psychoanalytiker hätte die Budapester tiefenpsychologische Schule die Jahre des Stalinismus als machtloses und vergewaltigtes Opfer, aber unter Wahrung ihres früheren Niveaus überstanden.