You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Leben und Werk von Friedrich Salomon Krauss sind heute nahezu vollständig vergessen. Das Vergessen steht in umgekehrtem Verhältnis zu Umfang und Vielschichtigkeit der Forschungen, Sammlungen und Schriften von Friedrich S. Krauss. Dies hat externe Gründe, die sich aus dem Laufe der Geschichte und den historischen Umständen ergeben haben, hängt aber auch von internen Faktoren ab, die mit der spezifischen Forschungs- und Forscherposition von Krauss zu tun haben. Als einzelgängerischer Privat-Gelehrter — bei dem Leben und Werk eng verwoben sind — hat er sich mit der tabuisierten Erotik, Sinnlichkeit und Sexualität der unteren Volksschichten befaßt, wobei er selber in das Getriebe von gesellschaftlicher Zensur und Verdrängung geriet. Innerhalb derjenigen Fachwissenschaft, zu deren Pionieren er gehörte, wird neuerdings konstatiert, daß er wesentlich dazu beigetragen hat, „daß das Konzept der Sexualforschung erweitert wurde. Seine vielen Veröffentlichungen, besonders aber auch seine Zeitschrift „Anthropophyteia“ verdienen seitens der Sexualwissenschaft wesentlich mehr Beachtung als ihnen heute zuteil wird“ (Haeberlin, E.J., 1983, 3). Ebenso wurde F.S. Krauss' Bedeutung für die Psychoanalyse innerhalb der einschlägigen Darstellungen ihrer Geschichte (vgl. Jones, E., 1962) nicht gewürdigt. Er wäre auch als Folklorist, als ‚Ethnograph der Monarchie‘ neu zu entdecken. Bei seiner siebzehnmonatigen Forschungsreise, die ihn 1884/85 in die Kolonien der Monarchie, Bosnien-Herzegowina, führte, erwies er sich in seiner Feldforschung als „teilnehmender Beobachter“ und auch von der Aufbereitung des Materials her als Vorläufer einer „Ethno-Psychoanalyse“ (vgl. Hauschild, Th., 1981). Im Rahmen des Krauss’schen Projekts einer et