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Mit seinem neuen Hauptwerk ergänzt Paul Ricoeur zunächst seine Arbeit über die Metapher (Die lebendige Metapher, , dt. ), indem er die Untersuchung der semantischen Innovation auf den Bereich der erzählenden Prosa ausdehnt.
Unmittelbar auffällig ist — vom Titel her — der kritische Anschluß an Sein und Zeit und — vom Thema her — die Verknüpfung von Kunst und Geschichte zum Gesamtkomplex der Geisteswissenschaften wie in Gadamers Wahrheit und Methode. Ricoeur eigentümlich ist jedoch die Verbindung dieser philosophischen Ausgangsstellung, der Hermeneutik, mit einer umfassenden, wenn auch in gewisser Hinsicht selektiven, Diskussion analytischer Traditionen im angelsächsischen und französischen Bereich, insbesondere der Geschichtstheorie und der Narratologie. Zwar behält die Hermeneutik das letzte Wort, doch die Auseinandersetzung mit den genannten Wissenschaftstraditionen geht nicht spurlos an ihr vorbei: Ricoeur versucht nachzuweisen, daß die methodische Untersuchung des Narrativen, die er als solche gelten läßt, die synthetische Funktion der „Fabel“ (intrigue) und eines „Narrativen Verstehens“ voraussetzt, die aller Rationalität der Rekonstruktion vorausliegen.
Hier steckt bereits eines der Hauptprobleme des Buches. Hat denn Ricoeur zu diesem „narrativen Verstehen“ einen anderen Zugang als den einer rationalen Rekonstruktion? Wie unterscheidet sich dann aber seine Darlegung von den kritisierten Rekonstruktionsversuchen?
Die gleiche Schwierigkeit kehrt wieder, wenn Paul Ricoeur im zweiten Band drei berühmte Zeit-Romane (von V. Woolf, Th. Mann und Proust) untersucht, deren dichterische Darstellung ihm zufolge die Aporien auflöst, in denen sich die spekulativen Philosophien der Zeit von Augustin bis zu Husserl und Heidegger ihm zufolge verfangen. Offenbar ist es da wieder — wie in der Schellingschen Organon-Theorie — die Philosophie, die das synthetische Werk der Kunst nachvollziehend nach Hause bringt.
Der ungeklärte Status der hermeneutischen Philosophie mit ihrem Anspruch