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In einer Zeit, in der die Substitution des Alten durch das Neue von Jahr zu Jahr beschleunigt wird, ist es schon eine Seltenheit, ein Buch aufzuschlagen, das auch — mehr als zwei Jahrzehnte nach seiner Entstehung — die Lektüre lohnt, weil es wenig von seinem Glanz, das ist seinem Gehalt eingebüßt hat.
Transzendentaler Idealismus — Romantische Naturphilosophie — Psychoanalyse ist die Habilitationsschrift von Odo Marquard, die auf Vorschlag von Joachim Ritter, 1963 von der Philosophischen Fakultät der Universität Münster angenommen wurde. Daß die Veröffentlichung damals unterblieb, hatte, wie der Autor versichert, triviale Gründe. Zudem mochten die Zeitumstände — insbesondere die Vorherrschaft der linkshegelianischen Psychoanalyselektüre — einer relativ unbefangenen Aufnahme nicht eben günstig gewesen sein. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert. Die Annahme, daß bestimmte Kategorien der Psychoanalyse (Unbewußtes, Verdrängung, Ersatzbildung, Sublimierung, Hemmung, Widerstand, Regression usf.) in gewisser Hinsicht philosophischer Natur sind, ist die zentrale philosophische Aussage des Buches, deren Aufweis Marquard freilich nicht auf direktem Wege, sondern im außerordentlich instruktiven Durchgang durch die Depotenzierungsgeschichte von Transzendentalphilosophie und romantischer Naturphilosophie unternimmt.
Marquards Ausgangspunkt ist die Frage, was in der Gegenwartsphilosophie seit den dreißiger und vierziger Jahren die Psychoanalyse für die Philosophie so attraktiv gemacht hat — oder, welche Elemente der gegenwärtigen philosophischen Konstellation — nach Husserls schneidender Psychologismuskritik — mit Macht auf eine erneute (zweite) Wiederkehr des Psychologismus in Gestalt der Psychoanalyse drängen? Und seine Antwort lautet: „Freuds psychoanalytische Theorie ist — für die Gegenwartsphilosophie, die sie rezipiert — überwi