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Welchen Spielraum gibt es für gesellschaftliche Veränderungen? Sind ihnen durch die menschliche Natur unüberschreitbare Grenzen gezogen, oder läßt diese sich durch gezielte Eingriffe beliebig verändern? Gibt es Perspektiven des Wandels, die gebieterisch in die Zukunft weisen, oder ist alle Veränderung nur ein oberflächlicher Schein, der unveränderliche Tiefen verbirgt? Ist in unvergänglicher Vergangenheit schon über das notwendige Scheitern aller Revolutionen vorentschieden, oder besteht Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die nicht nur kreisschlüssig wiederholt, was immer schon war? Diese und noch viele weitere Fragen werfen Paul Federns Überlegungen zur Psychologie der Revolution auf. Ihre Beantwortung verlangt weitgespannte Erörterungen. Nicht nur die psychoanalytische Kulturtheorie, ihre anthropologischen und ethnologischen Annahmen, ihre Thesen über den Sozialisationszusammenhang von Familie und Staat sind zu überprüfen. Notwendig ist darüber hinaus auch eine Auseinandersetzung mit den psychoanalytischen Grundbegriffen, in deren Licht das menschliche Existenzverhältnis von Natur und Kultur interpretiert wird.
Die Geschichte der Psychoanalyse ist keine bloße Sammlung von biographischem Material. Durch den wissenschaftsgeschichtlichen Zugang zu theoretischen Auseinandersetzungen, den sie erschließt, wird auch nicht nur die Veränderung von zeitbedingten Ansichten über einen gleichbleibenden Gegenstand notiert. Es gibt auch eine Veränderung des Gegenstandes selbst. Daher muß die Feststellung eines historischen Tatbestandes und die Rekonstruktion historischer Erklärungsmuster, in denen er begriffen wird, durch Untersuchungen ergänzt werden, die seinen historischen Wandel erkunden. Der Geschichtlichkeit des wissenschaftlichen Zugriffs korrespondiert die Geschichtlichkeit des zu Begreifenden. Dies gilt auch für die psychische Realität.
Die Aufsätze dieses Bandes versuchen, den angegebenen Aspekten geschichtlicher Forschung gerecht zu werden. Sie erheben daher auch nicht