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Psychoanalytische Theorien des Antisemitismus spiegeln die Probleme der Erkenntnisgewinnung und des Selbstverständnisses der Psychoanalyse. Haben wir es mit einer positiven empirisch gestützten Anthropologie zu tun — in der Sprache Lorenzers also mit einer nomologischen Psychologie1? Oder wäre eine solche Auffassung ein „szientistisches Selbstmißverständnis“2, ist Psychoanalyse in erster Linie eine „kritisch-hermeneutische Erfahrungswissenschaft“3? Besonders relevant wird diese Frage, wo die Psychoanalyse ihr ureigenstes Forschungsgebiet, die Psyche des Individuums, verläßt, und sich Aussagen über gesellschaftliche Prozesse zutraut.
Vom Standpunkt einer auf der Kritischen Theorie fußenden analytischen Sozialwissenschaft hat Claussen erst unlängst die analytischen Theorien des Antisemitismus einer Kritik unterzogen und im wesentlichen als unzulänglich beurteilt. Er zeiht sie des „Psychologismus“ und der „Personalisierung“ sozialer Gegebenheiten. Stattdessen beschreibt er Antisemitismus in der Sprache der Kritischen Sozialwissenschaft: Antisemitismus hänge mit der „Universalisierung der Warenproduktion und des Tauschwerts in einer verdinglichten Welt“ 4 zusammen. Antisemitismus und „Warenfetischismus“ seien Ausdruck eines falschen Bewußtseins. Für Claussen überschreitet die Psychoanalyse mit einer Theorie des Antisemitismus ihre Möglichkeiten, unterwirft ein soziales Phänomen künstlich den Kategorien individueller Pathologie. Mit Claussens Ansatz müßte man eigentlich auf jede Metapsychologie verzichten.
Eine so rigorose Forderung findet natürlich Widerspruch. Sie kann sich auch nicht auf Freud berufen. Denn auch wenn dieser in manchen Formulierungen seiner Metapsychologie vorsichtiger bleibt als die Nachgeborenen, hielt er doch immer am Realitätsgehalt psychoanalytischen Wissens fest.
Setzen wir also voraus, die Psychoanalyse dürfe sich mit aller Vorsicht Aussagen über sozialpsychologische Gegebenheiten zutrauen. Allerdings geht sie dabei selbstverständlich von den psych