You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Paul Federns Überlegungen zur Psychologie der Revolution bilden einen der ersten Versuche, die Psychoanalyse auf politische Vorgänge anzuwenden. Von vielen späteren Untersuchungen unterscheiden sie sich unter anderem auch durch die offene Parteinahme für die sozialistische Revolution, deren seelischen Untergrund sie nicht ausleuchten wollen, um konservativen Geistes ihren irrationalen und der Natur des menschlichen Zusammenlebens widerstrebenden Charakter zu enthüllen, sondern um darzulegen, welcher Widerstreit der Gefühle im Bruch der gesellschaftlichen Ordnung entfesselt wird. Federn bejaht den Umsturz der bestehenden Verhältnisse. Für ihn ist es an der Zeit, sich aus den Fesseln der bürgerlich-patriarchalischen Lebensordnung zu befreien und eine neue Stufe im menschlichen Zusammenleben, frei von Unterdrückung und Zwang, zu ersteigen. Daher befürwortet er die demokratische Umgestaltung von Staat und Gesellschaft als politisches Ziel, das durch die Revolution erreicht werden soll.
Im revolutionären Geschehen spiegelt sich das Verhalten von Menschen, die sich nicht mehr in die überkommene Ordnung des staatlich geregelten Zusammenlebens einfügen. Um ihren Willen zur Veränderung zu verstehen, muß man auch die seelischen Vorgänge kennen, die unbewußt in ihnen wirksam sind. Dieses Wissen stellt die Psychoanalyse bereit. Sie ist für Federn ein Instrument, mit dessen Hilfe verschiedene Aspekte des politischen Verhaltens von Einzelnen und Gruppen begreiflich gemacht werden können, die sonst unbegreiflich bleiben müßten. Für ihn besteht der psychische Untergrund der Revolution, dem er sich zuwendet, um einige ihrer typischen Erscheinungen verständlich zu machen, in einer unbewußt determinierenden Motivation, die den Handelnden ohne sein bewußtes Wissen und oftmals gegen seinen bewußten Willen leitet.
Federns psychoanalytische Motivforschung fahndet nach psychischen Gesetzmäßigkeiten, die im politischen Kampf eine innere Verbindung zwischen den sich bekämpfenden Parteien beze