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In einem Brief an Karl Abraham vom 23.7.1908 meint Freud in seiner für ihn charakteristischen scherzhaften Art: „Wenn ich Oberhuber hieße, meine Neuerungen hätten weit geringeren Widerstand gefunden.“ Susanne Heenen-Wolff benützt diese ironische Bemerkung als Titel für ein in Buchform erschienenes Essay über die Beziehung der Psychoanalyse zu Freuds Judentum. Der Untertitel heißt daher „Die Freudsche Psychoanalyse zwischen Assimilation und Antisemitismus.“ Es zu besprechen fallt mir nicht leicht, da ich grundsätzlich die Frage nach der Bedeutung von Freuds Judentum nicht für wichtig halte. Vor allem weiß ich nicht wie „Judentum“ definiert werden soll. Niemand stellte die Frage nach der Englischkeit von Newton oder warum Galilei Italiener war. Dabei will ich zugeben, daß für jeden Biographen diese Frage Bestandteil seiner Aufgabe sein müsse und z.B. im Falle Galileis, wäre er in Deutschland geboren, seine Verfolgung durch die Inquisition vielleicht anders ausgegangen wäre. Sicher ist die Volkszugehörigkeit jeder Persönlichkeit von Bedeutung. Es handelt sich mehr um deren Stellenwert im Gesamtwerk. Freuds Zugehörigkeit zum jüdischen Volk, wie immer das auch definiert werden mag, scheint mir weniger bedeutend als sein Aufwachsen und Wirken im Wien der Jahrhundertwende. Nach diesem prinzipiellen Vorbehalt darf ich aber feststellen, daß ich diesen Text mit Interesse und Vergnügen gelesen habe, beides weil es sich um ein gut geschriebenes Buch handelt, dessen Autorin die seltene Gabe besitzt, schwierige Sachverhalte verständlich darzustellen, ohne sie zu verflachen. Die Beziehung von sozialer und kultureller Umwelt auf die schöpferische Kraft klarzulegen stellt beinahe unüberwindliche Aufgaben. Auch wo die Tatsachen offensichtlich sind, hängt die Analyse der Zusammenhänge von sozialer Umwelt und individueller Geistigkeit vor allem vom Standpunkt des Betrachters ab. Marxisten werden es anders sehen als Anhänger idealistischer Philosophien oder gar Psychoanalytiker. Die Aut