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Unter dem Titel „Psychohistorie und/oder Politische Psychologie?“ traf sich der von Klaus Horn 1973 gegründete Kreis zu seinem jährlichen Treffen, um an seinem theoretischen und methodologischen Fundament - Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie der Frankfurter Schule - zu arbeiten und es gegebenenfalls durch neue Ansätze zu erweitern.
Auf dem Programm stand an erster Stelle die Frage nach der Adäquatheit der psychohistorischen Forschungsrichtung von Lloyd de Mause; daneben widmete man sich der Untersuchung der psychischen Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Nachkriegsgeneration - einmal auf dem Wege einer Literaturinterpretation, ein anderes Mal am Beispiel zweier therapeutischer Falldarstellungen; den Abschluß bildete dann eine eher allgemein gehaltene theoretisch-begriffliche Problematisierung des Verhältnisses von Charakter und Gesellschaftsform.
Am Beispiel einer selbst durchgeführten tiefenhermeneutischen Analyse der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den USA und Libyen mithilfe eines „szenischen Verstehens“ (Lorenzer) versuchte H.-D. König die Deutungen von De Mause zu kritisieren. Im Lichte der psychohistorischen Schule sind die Ursachen von Krieg in nationalen, kollektiven Schuldgefühlen zu suchen, die auf Kriegsaktionen zur Reinigung von Sündhaftigkeit zustreben. Obwohl De Mause zwar das Material der Massenbildung auffindet - die typischen Phantasien -, verpaßt er jedoch eine kritisch vermittelnde Perspektive, indem er nicht deren Funktiona-lisierung durch die aktuelle Politik untersucht (nach König leistet diese Vermittlung derzeit in der Reagan-Ära das Bild des „Cowboys“), und landet so im Terrain einer schlechten „angewandten Psychoanalyse“. De Mause hypostasiert das manisch-depressive Grundmuster zur anthropologischen Tatsache, die es ihm erlaubt, - ungesellschaftlich und ahistorisch - auf die Opferriten der Azteken zurückzugreifen. Damit verkürzt er selbst die in seinem Ansatz liegende Erkenntnischance und wird zum Gegenaufklärer.
H.-M.