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Obgleich sich die Geschichte der Psychoanalyse nicht in ihr erschöpft, bildet die Freudbiographik doch ohne Zweifel einen wichtigen Teil von ihr. Die in diesem Heft vorgestellten Versuche, sich der historischen Gestalt Freuds anzunähern, haben eines gemeinsam: sie sind von einem theoretischen Interesse geleitet, das dem Leben eines Mannes gilt, dessen Werk ihn als Begründer einer neuen Wissenschaft ausweist. Es geht also nicht darum, wieder einmal über Freuds Charakter zu Gericht zu sitzen und ihm mit Hilfe einer platten Entlarvungspsychologie einige moralisch verwerfliche Eigenschaften zuzuschreiben, die es erlauben, sich ohne weitere theoretische Auseinandersetzung bequem-empört von ihm abzuwenden. Ebensowenig geht es freilich auch darum, das altehrwürdige Idealbild eines vollkommenen Menschen zu bewahren oder wiederherzustellen.
Gegen die Verflechtung von Wissenschaftsgeschichte und Biographie sind ernstzunehmende Einwände erhoben worden. Wenn gleichwohl an dem Vorhaben festgehalten werden soll, Beziehungen zwischen Autor und Werk zu untersuchen, so deshalb, weil die Psychoanalyse selbst dazu anleitet. Mit ihrem wissenschaftlichen Anspruch auf nachvollziehbare Allgemeingültigkeit dessen, was nur in der teilnehmenden Versenkung in individuelle Lebensgeschichten verständlich wird, sprengt sie den Rahmen der herkömmlichen Wissenschaft. Freuds Selbstanalyse hat den Durchbruch zu einer neuen Form des Wissens eröffnet und dem menschlichen Selbstverständnis zuvor unbekannte Tiefendimensionen erschlossen. Man braucht das äußerst fragwürdige Schema einer Anwendung der Psychoanalyse auf die Geschichte nicht zu befürworten, wenn man darauf beharrt, daß diese Veränderung der menschlichen Wirklichkeitserfahrung auch von der historischen Forschung berücksichtigt wird.
Die Beiträge zu einer intellektuellen Biographie, die in diesem Heft versammelt sind, werfen neues Licht auf Verbindungslinien zwischen verschiedenen Interessen, von denen Freuds Leben bewegt war, und ihrer Bedeutu