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„In der Geschichte der Wissenschaften hat der ideale Teil ein anderes Verhältnis zum Realen als in den übrigen Wissenschaften.“1
In mehreren Arbeiten habe ich bereits die Meinung vertreten, daß eine Geschichtsschreibung der Psychoanalyse mit solchen Schwierigkeiten verbunden ist, daß ein Einzelner sie gar nicht bewältigen kann. In den folgenden Ausführungen werde ich versuchen, eine dieser Schwierigkeiten näher zu untersuchen. Es handelt sich um die Biographik von Freud. Es darf als unumstritten gelten, daß kein anderes Wissensgebiet so eng mit der Person seines Schöpfers verbunden ist wie die Psychoanalyse. Die Auffassung der ersten und zweiten Generation seiner Anhänger, die also noch unter dem direkten Einfluß seiner charismatischen Persönlichkeit gestanden sind, war, daß Psychoanalyse mit dem identisch ist, was Freud geschrieben hat. Ob diese Meinung auch heute noch aufrechterhalten werden kann, wäre einer weiteren Betrachtung wert und ist mit dem Thema dieses Aufsatzes eng verbunden. Sicherlich bedeutet die Gleichung: Psychoanalyse ist das Werk Freuds nicht, daß alles was er geschrieben hat, auch heute noch richtig ist. Das kann es schon deshalb nicht sein, weil Freud ausdrücklich vor einer solchen Verwendung seines Werkes gewarnt hat. Es liegt daher nahe, Freuds Schriften nicht anders zu lesen und zu werten als die anderer großer Denker und Entdecker: als Grundlage weiteren Forschens. Warum haben dann aber so bedeutende Psychoanalytiker wie es viele erste Anhänger Freuds waren - ich denke da an seine Tochter Anna, an Paul Federn, Hermann Nunberg und Robert Wälder, um nur einige der wichtigsten zu nennen, darauf bestanden, sich immer wieder auf Freud zu berufen und warum konnte sein längster und engster Mitarbeiter, Paul Federn, schreiben: „Wir haben solches Zutrauen zum Instrument Freud auf jedem Gebiet menschlicher Erkenntnis, daß wir das Dichterwort auf ihn anwenden ‚Ihr Träumen acht ich mehr, als was Ihr andern denkt‘. Ich bin überzeugt, daß alle Theor