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Vorbemerkung
Der nachfolgende Beitrag verknüpft drei Themenkomplexe, die bisher in der Literatur eher selten und wenn, dann in der Regel getrennt abgehandelt worden sind:
Es wird versucht, eine Systematik der verschiedenen Stufen der Marx-Freud-Debatten herauszuarbeiten, wobei die historische Abhängigkeit der einzelnen Debatten voneinander aufgezeigt wird.
Die Auseinandersetzungen zwischen Marxisten und Psychoanalytikern werden insbesondere auf die historischen Ereignisse nach der Revolution in der Sowjetunion bezogen, d.h. auch in einem politischen Kontext erörtert.
Die Institutionalisierung der Psychoanalyse in Rußland vor der Revolution und während der 20er Jahre in der Sowjetunion wird kurz skizziert.
Der Autor ist der Auffassung, daß das komplexe Thema des Verhältnisses von Marxismus und Psychoanalyse nur unter Berücksichtigung aller drei Aspekte hinreichend zu verstehen ist.
Am 10. März 1909 diskutierte die „Mittwochsgesellschaft“ einen Vortrag Alfred Adlers - „Zur Psychologie des Marxismus“. Adler vertrat die Meinung, „der Primat des Trieblebens“ habe Marx „klar vor Augen“ gestanden (Nunberg, Federn 1977, 155). Marx habe die „wahren Ursachen der Unterdrückung und Ausbeutung“ und die Wege aufgezeigt, wie sie zu beseitigen, wie hinfort „bewußt Geschichte zu machen“ seien (1977, 160). Da die Psychoanalyse ebenfalls für eine Herrschaft des Bewußtseins eintrete, ließen sich Marxismus und Psychoanalyse vereinbaren. Freud bemerkte in seinem Diskussionsbeitrag jedoch, Adler habe „nicht den Nachweis unserer Gedankengänge bei Marx gegeben“ (1977, 157). Man könne sicherlich die „Menschheitsentwicklung“ als einen fortschreitenden Prozeß der „Erweiterung des Bewußtseins“ auffassen, jedoch dürfe man dabei nicht übersehen, daß durch einen gegenläufigen Prozeß „immer mehr von unseren Trieben der Verdrängung“ unterworfen werde (1977, 157).
Freud konstatiert die Dialektik des Zivilisationsprozesses: In der Sphäre des Denkens wird der Mensch freier, in der Sphäre des Handelns wird er