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In einem Brief vom 9. Oktober 1918 stellte S. Freud seinem langjährigen Freund, dem Züricher Pfarrer und Laienanalytiker Oskar Pfister die Frage: „Ganz nebenbei, warum hat keiner von all den Frommen die Psychoanalyse geschaffen, warum mußte man da auf einen ganz gottlosen Juden warten?“ Diese rhetorische Frage Freuds bildet den Inhalt des schmalen Buches. Sie führt, Freuds ausweichender Rhetorik folgend, den amerikanischen Kulturhistoriker Peter Gay dazu, sie in drei „Leitsätze“ zu zerlegen; sie enthalten zugleich die Antwort: „Freud entdeckte die Psychoanalyse als Atheist“ (40) und, weitergehend, der Schöpfer der Psychoanalyse mußte gottlos sein; ein Gläubiger hätte die Psychoanalyse nicht schaffen können. Zweitens, Freud macht seine folgenschwere Entdeckung als jüdischer Atheist, doch das jüdische Erbteil bzw. die jüdische Identität spielten wenn überhaupt, dann nur eine untergeordnete Rolle. Drittens, vom wissenschaftlichen Standpunkt Freuds aus gibt es letztlich keine Gemeinsamkeit versprechende Verhandlungsbasis zwischen (Religion) Theologie und Psychoanalyse; der immer wieder anvisierte, gemeinsame Boden zwischen Psychoanalyse und Glauben ist „ein schwankender, verräterischer Morast, in dem beide versinken müssen“ (122, vgl. 154). Gay belegt die Unvereinbarkeit von Psychoanalyse und Theologie indirekt, indem er die Geschichte der Abgrenzung und Annäherung sowohl vom theologischen wie psychoanalytischen Standpunkt aus dokumentiert. Vornehmlich zwei Positionen der modernen Theologie finden Erinnerung: der religiöse Sozialismus P. Tillichs und der liberale Protestantismus O. Pfisters.
Da Freud die Psychoanalyse für eine Wissenschaft hielt, war er folgerichtig auch der Auffassung, daß alle Vermittlungsversuche zwischen Religion und Psychoanalyse zum Scheitern verurteilt seien, da beide auf unvereinbaren Grundsätzen und Weltsichten beruhten. Es ist Gays Verdienst, diese Auffassung Freuds kenntnisreich und in allen Teilen gut begründet in Erinnerung gebracht zu haben