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Beteiligt sich die Psychoanalyse seit Freuds Abkehr von der Verführungstheorie an einer Verschwörung des Schweigens, die den sexuellen Mißbrauch von Kindern in der Familie verleugnet? Hat schon Freud der persönliche Mut gefehlt, die von ihm entdeckte Wahrheit nicht wieder zu unterdrücken? Oder ist seine Sicht sachlich gerechtfertigt, wonach die Verführungstheorie aufgegeben werden muß, weil sie den Ursprung der psychischen Realität und ihr Verhältnis zur äußeren Wirklichkeit verfehlt?
Um den immer wieder aufflammenden Streit darüber entscheiden zu können, darf die Auseinandersetzung nicht länger von moralischen Urteilen geprägt werden, die voraussetzen, was erst zu beweisen wäre, nämlich die Überlegenheit der von Freud angeblich aus persönlichen Motiven verworfenen Verführungstheorie über die sie ersetzende Theorie des ödipalen Konflikts. An die Stelle solcher Charakterdebatten, die nur zu Verdächtigungen und Gegenverdächtigungen führen können, muß eine problemorientierte Überprüfung der psychoanalytischen Theoriebildung treten. Im Zentrum stehen dann vorrangig Fragen der Herkunft und Organisation von (unbewußten) Erinnerungen, der Beziehung zwischen äußerer und innerer Realität sowie der ätiologischen Verknüpfung von Symptomerklärung und Symboldeutung, die in der Frage konvergieren, ob und wie Traumatheorie und Verdrängungslehre miteinander zu vereinbaren sind. Aus den Versuchen, darauf eine befriedigende Antwort zu finden, erwachsen weiterführende Fragen; sie ergeben sich aus der Erkenntnis, daß die intrapsychisch-inter-subjektiven Konflikte des Individuums in generationsumgreifenden Ordnungen des menschlichen Zusammenlebens wurzeln.
Es gehört zu Freuds bleibenden Einsichten, daß die Erinnerungskonfigurationen der psychischen Realität nur in Interpretationsmustern des Übergangs aus Natur in Kultur darstellbar sind, die jedes Individuum an einen menschheitsgeschichtlichen Bildungsprozeß zurückbinden, der seine Entwicklung vorgängig leitet. Form und Gesetzmäßigkeit di