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„Ich war ein ebenso eifriger Arbeiter im gehirnanatomischen Institut wie früher im physiologischen. Kleine Arbeiten über Faserverlauf und Kernursprünge in der Oblongata sind in diesen Jahren entstanden und immerhin von Edinger bemerkt worden.“1
Der 68jährige Sigmund Freud erinnert in der 1924 entstandenen ‚Selbstdarstellung‘ der Psychoanalyse an die Anfänge seiner akademischen Laufbahn in den Wiener Laboratorien von Ernst Brücke und Theodor Meynert . Die bescheidene Einschätzung der eigenen neuropathologischen Beiträge wird unversehens aufgewertet durch die Erwähnung des Namens Ludwig Edingers. Von ihm - wahrscheinlich in seinen Referaten in ‚Schmidt's Jahrbüchern‘ oder in den ‚Fortschritte der Medizin‘ -, also von Edinger überhaupt bemerkt worden zu sein, empfiehlt sich bereits als Qualitätsurteil.
Wer aber war dieser Edinger, dessen unverhohlene Wertschätzung für sich selbst zu sprechen schien? Heute, rund 100 Jahre nach dieser - zugegeben: rein literarischen - Begegnung von Freud und Edinger hat sich die Ausgangslage umgekehrt. Nicht nur in Alltagsbewußtsein und Allgemeinbildung kennt den einen fast jeder, den anderen fast niemand mehr. Auch die Literatur zu aktuelleren Fragen der Hirnforschung2 verweist vielleicht noch auf Freud, nicht jedoch auf Edinger. Dieser scheint verurteilt, ein eher antiquarisches Dasein in lexikalischen Werken zu fristen: Als Edinger-Bahn, Edinger-Gesetz, als Edinger-Hinterstrangfeld, Edinger-Methode, Edinger Projektor oder Edinger-Westphal-Kern.3
Kurt Goldstein, Schüler und Nachfolger Edingers als Direktor des Neurologischen Instituts der Stiftungsuniversität Frankfurt am Main, das noch heute den Namen seines Begründers trägt, skizziert dessen Leistungen als ein „Gesamtbild…, wie wir es nur bei den Lebenswerken wirklich Großer finden… Diese Einheitlichkeit entspringt… daraus, daß es immer eigentlich ein und dasselbe Problem ist, das uns in Edingers Arbeiten begegnet…: Das Problem des Lebens, wie es sich in der Entwicklung des Geistigen i