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Für Wolfgang Loch1
„Rebecca, zieh das Kleid aus, Du bist keine Kalle mehr…“2 So die Ermahnung des jüdischen Sprichworts an eine junge Frau nach der Hochzeit, die Glanz und Hoffnung des Brautstandes nicht gegen den Ehealltag eintauschen will. So auch die Ermahnung des Hysterieforschers Freud an sich selbst.
Lapidar faßt Freud in diesem Brief an W. Fließ vom 21. 9. 97 die größte wissenschaftliche Krise seines Lebens zusammen. Klar und nüchtern, fast fröhlich, zählt er die Gründe dafür auf, warum seine Traumatheorie gescheitert war: Da war erstens die Unmöglichkeit, seine Analysen zu einem wirklichen Abschluß zu bringen. Aber ohne abgeschlossene Analyse glaubte er nicht, seiner Ergebnisse sicher sein zu können. Die Klage über den mangelnden vollen Abschluß zog sich wie ein Leitmotiv bereits durch die früheren Briefe an Fließ, gefolgt von der immer wieder aufflackernden Hoffnung, diesmal kurz davorzustehen. Abgeschlossen wäre eine Analyse damals für Freud dann gewesen, wenn in der Erinnerung des Patienten das ursprüngliche historische Erlebnis wieder aus der Verdrängung aufgetaucht wäre. Aber diese psychische Wiederholung der einmaligen, historischen Begebenheit, deren permanent wirkende Folge dann die spätere Psychoneurose sein sollte, wollte und wollte nicht gelingen. Die Phantasien, gleichgültig ob bewußt oder unbewußt, waren in dieser Theorie lediglich die späteren inneren Abkömmlinge des äußeren Traumas. Das wertete sie in den Augen Freuds doppelt ab: als Abkömmlinge durften sie nicht die Würde des Ursprünglichen und Elementaren für sich beanspruchen, als später Entstandene stellten sie zudem den historischen Gehalt nur verzerrt dar. Der äußere, historisch bestimmbare Ursprung war damals für Freud ganz selbstverständlich der Ort der Wahrheit.
Der zweite Grund von Freuds nicht mehr zu beschwichtigendem Zweifel liegt in der stetig wiederkehrenden Angabe seiner Patientinnen, vom Vater verführt worden zu sein. Freud hatte das zunächst für bare Münze genommen. Ja, später