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Das Selbe läßt sch nur fassen und bestimmen im Verhältnis zum Anderen, zur Vielfalt der anderen. - Diese Einsicht Platons, daran läßt der Autor keinen Zweifel, wies auch seinen Forschungen den Weg. (21) Alle Selbsterkenntnis ist nur möglich über den Anderen. Erkenntnis seiner selbst und Erkenntnis des Anderen geschieht als ein Prozeß gegenseitiger dialektischer Durchdringung. Wollen wir uns selbst verstehen, so müssen wir die anderen verstehen lernen. Verstehen wir die anderen, so verstehen wir auch uns. Keine Einheit indes ohne Unterschiede. Die Unterschiede allein schaffen den nötigen Abstand, den alles Erkennen voraussetzt. Der Abstand zur griechischen Antike, so darf man berechtigt hoffen, ist groß genug, um eine auf uns selbst bezogene Erkenntnis nicht in der Dunkelheit des Selben untergehen zu lassen, die die ebenso irisierende wie irritierende Spur der Unterschiede löscht. Das Andere ist jedoch nicht nur formale Bedingung aller Selbsterkenntnis, Vernant macht es zum Inhalt seiner Untersuchung selbst: Er untersucht die Formen und Bilder, in denen das griechische Altertum sich das Andere oder die anderen vorstellte. Nun ist die Kategorie des Anderen gegenwärtig ebenso beliebt wie unbestimmt. Umso verdienstvoller daher Vernants Ansatz, der es als „methodisch unzulässig“ erklärt, „verschiedene Figuren in ein und derselben vagen Kategorie aufgehen zu lassen, ohne sich um die Abweichungen zu kümmern, die für sie jeweils charakteristisch sind und die jeder Figur eine eigentümliche Bedeutung und einen spezifischen Ort (…) zumessen.“ (29)
Es sind zwei ganz bestimmte Figuren des Anderen, die Vernant behandelt: Artemis und Gorgo. Beide sind sie Maskengötter, also Götter, die entweder durch eine Maske dargestellt werden oder zu deren Kult Masken gehören. Diese Götter werden dadurch in den Bereich des Übernatürlichen gerückt, denn „eine Maske zu tragen heißt für den Menschen, aufzuhören, er selbst zu sein, und während der Zeit der Maskerade die Jenseitsmacht zu verkörpern,