You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
„Das ich (je) ist nicht das Ich (moi)” - in diesem paradoxen Sachverhalt liegt für Lacan (1954-55, S. 9) die grundlegende Erfahrung der Psychoanalyse. Denn hinter dem Ich, das sich weiß und sich denkt, bringt diese ein anderes Subjekt zur Sprache. Ein Subjekt, das in seinen Launen und Symptomen, in seinen Träumen und Verirrungen, nur eine höchst indirekte Artikulationsmöglichkeit gefunden hat und dessen Rede es zu entziffern gilt. Den verborgenen Sinn jener anderen Rede des Unbewußten zu erraten, wie es Freud nennt, heißt aber zugleich, die Selbstgewißheit des cartesianischen Cogito zu unterminieren, seine unbefragte Subjektivität zu dezentrieren. Steht doch „das philosophische Cogito im Brennpunkt jener Täuschung, die den modernen Menschen so sicher macht, er selber zu sein in seinen Ungewißheiten über sich selbst, sogar durch jenes Mißtrauen hindurch, das er seit langem den Fallen der Eigenliebe gegenüber zu hegen gelernt hat.“ Gerade an diesen Punkten aber, „wo die Evidenz unterwandert wird“, liegt für Lacan (1957, S. 42 f.), „der Dreh der Freudschen Wende.“
Doch können wir diesen Satz - ‚Das Ich ist nicht das Ich‘ - wirklich in dieser Form gelten lassen? Wie könnte das Ich jemals ein Nicht-Ich, ein Anderer sein? Haben wir uns doch daran gewöhnt zu denken, daß das Ich des Menschen jenen Mittelpunkt darstellt, von dem nicht nur die Schritte seiner Beziehungen, die Interaktionen mit den Dingen der Welt, sondern auch die Ansätze zu tatkräftigen Handlungen ausgehen. Dieses Ich erscheint für unser Lebensgefühl fundamental. Und indem es uns selbst in unseren phantastischsten Ängsten und heimlichsten Wünschen noch wissen läßt, daß es uns gibt, bewahrt es das Geheimnis unserer Identität.
Wie könnte also jemals ein Zweifel aufkommen an diesem Ich, das sich mit solcher Sicherheit identisch weiß? Erkennt sich das Subjekt nicht mit absoluter Gewißheit unter tausend Bildern - wohl wissend, daß dies ein Bild seiner selbst, niemals aber, daß dieses Selbst ein anderer, ein anderes