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Wissenschaftsgeschichte ist nicht nur Geschichte von Ideen, Begriffen und Theorien, die sich in autonomer Folgerichtigkeit weiterentwickeln. Daher ist auch der totalitäre Zugriff eines ganzheitlichen Wissenschaftsentwurfs zurückzuweisen, der alles Frühere bestenfalls als Vorstufe des Späteren, Besseren dulden kann. Solche Betrachtung der Geschichte vom Standpunkt der Sieger verkennt, was im Verworfenen und Vergessenen aufbewahrt ist. Ein Denken in Spielräumen und Möglichkeitshorizonten ist daher der Vorstellung entgegenzusetzen, man könne sogenannte Randfiguren, Außenseiter und Abweichler von einer Hauptströmung abscheiden, sie als Zurückgebliebene auf dem Wahrheitsweg fortschreitender Theorieverbesserung oder als Abirrende ins abseitig Versponnene und verwerflich Verfehlte behandeln und so eine zusammenhängende Theoriefolge konstruieren.
Man kann die Aufsätze dieses Bandes als Fallstudien über die Schwierigkeiten lesen, die psychoanalytische Erfahrung in die althergebrachten Formen der Wissensbildung und Wissensvermittlung zu integrieren. Wo solche Versuche unternommen wurden, sind sie allesamt gescheitert, nicht nur wegen des äußerlichen gesellschaftlichen Zwangs und Anpassungsdrucks, dem die psychoanalytische Bewegung ausgesetzt war, sondern auch, weil ihre Organisation in ein berufliches Feld wissenschaftlicher Disziplin sich an szientistischen Vorbildern ausrichtete, die dafür untauglich sind.
Ein eigentümliches Schwanken zwischen dem Mut, in Neues, noch Unerforschtes vorzustoßen und dem zögerlichen Verharren in überholten Formen überlieferter Wissenschaft, verbunden mit einer ihr angemessenen Gestaltung der beruflichen Zusammenarbeit, läßt sich, wie die Aufsätze von Günter Gödde, Helmut Junker, Ludger M. Hermanns und Michael Schröter zeigen, schon bei Freud selbst und seinen frühesten Schülerbeziehungen beobachten. Daß dies auch für die späteren Auseinandersetzungen innerhalb der organisierten Psychoanalyse zutrifft, wird anhand der Untersuchungen von Gerhard Wi